Literaturnobelpreisträger Imre Kertesz gestorben

Der 2002 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete ungarische Schriftsteller Imre Kertesz ist nach langer Krankheit am Donnerstag im Alter von 86 Jahren verstorben. Sein Hauptwerk ist der "Roman eines Schicksallosen", in dem er seine Erfahrungen im Konzentrationslager Buchenwald verarbeitet hat.

Imre Kertesz

Imre Kertesz im Jahr 2007

ASSOCIATED PRESS / KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS

Mittagsjournal, 31.3.2016

"Die Welt besteht aus Scherben"

"Die Menschen leben wie die Würmer", heißt es in einem von Imre Kertesz' Romanen, "aber sie schreiben wie die Götter". Ein Satz, der programmatisch sein könnte für die Biografie des großen ungarischen Autors. 1929 in bescheidenen Verhältnissen in Budapest geboren wurde Imre Kertesz als 15-Jähriger ins KZ Auschwitz-Birkenau, später nach Buchenwald deportiert. Von seinen Erfahrungen in den Todeslagern der Nazis hat der Schriftsteller in seinem Hauptwerk Zeugnis abgelegt, dem berühmten "Roman eines Schicksallosen".

Überragende Bedeutung in der Weltliteratur

In seiner ungarischen Heimat ist Kertesz viele Jahre lang totgeschwiegen worden. Erst Mitte der 90er Jahre, spätestens aber mit dem Nobelpreis 2002, begann man die überragende Bedeutung dieses Schriftstellers auch in seiner Heimat zu erkennen. "Die ungarische Gesellschaft hat noch überhaupt nicht angefangen sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen", so Kertesz.

Der Autor war ein hochintegrer Mann, ein Schriftsteller, der mit unerbittlicher Radikalität seinen Weg gegangen ist. "Die Welt besteht aus Scherben", hat er einmal formuliert, "sie ist ein dunkles, zusammenhangloses Chaos, allein vom Schreiben zusammengehalten". Imre Kertesz war einer, der dem Chaos ein Stückchen Ordnung abgerungen hat. Mehr kann Literatur wohl nicht leisten.

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