Roman

"Suchbild mit Katze" von Peter Henisch

Mit seinem neuen Roman "Suchbild mit Katze" legt der österreichische Autor Peter Henisch ein berührendes Mosaik aus Erinnerungsstücken vor. Bereits vor dem offiziellen Escheinungstermin wurde das Buch für den Österreichischen Buchpreis, der heuer im November erstmals vergeben wird, nominiert.

Morgenjournal, 26.9.2016

Mit seinem autobiografischen Roman "Die kleine Figur meines Vaters" ist Peter Henisch anno 1975 sein erster großer Erfolg gelungen - mittlerweile gilt dieses Protokoll einer Vater-Sohn-Beziehung bereits als Klassiker. Mit dem Roman "Eine sehr kleine Frau" hat Henisch dann 2007 seiner Großmutter ein Denkmal gesetzt. Mit diesen beiden Büchern korrespondiert sein neuer Roman: In "Suchbild mit Katze" erzählt der Autor von seiner Kindheit im Nachkriegswien.

Berufswunsch "Katze"

Peter Henisch erzählt "von einem Kind, das gern eine Katze sein wollte". Es ist seine eigene Geschichte, die Geschichte eine Nachkriegskindheit in Wien. Das Leitmotiv: der Blick aus dem Fenster. "Das war ein Fenster im dritten Bezirk, in Erdberg", erinnert sich der Dichter. "Ich habe da auf einen fast noch dörflichen Platz gesehen, auf dem heute Schnellbahnstation und verbaute Vorstadt zu sehen wären. Damals waren dort die vom Krieg zerbombten Häuser, aber damit auch viel Platz und viel Durchblick."

Es ist ein verträumter, nachdenklicher und behüteter Bub, der da am Fenster sitzt, ferngehalten von den Gassenbuben, die nicht nach der Schrift sprechen. Schritt für Schritt begleiten wir ihn bei seiner Welterkundung: Verstecken Spiele im Hof, die Brennnessel überwucherten Schutthalden, Pferdefuhrwerke, das Wien der Besatzungszonen. An seiner Seite: die Katze Murli. Von früh an, erzählt Peter Henisch, habe er sich mit Katzen identifiziert.

Als er in der Schule einen Aufsatz über seinen Berufswunsch schreiben soll, möchte er eine Katze werden. "Das ist kein Beruf, hat der Lehrer gesagt. Das habe ich bedauert; die zweitbeste Berufswahl war dann Schriftsteller ", sagt Heinisch. Und dieses Projekt hat der kleine Peter auch bald in Angriff genommen - zum einen mit dem Plan, der Geschichte vom "Doktor Dolittle" ein Katzenkapitel hinzuzufügen, zum anderen mit Lyrik.

Selbstironisch und unsentimental

Mit einer guten Portion Selbstironie, unsentimental und ohne Weichzeichner unternimmt Peter Henisch hier eine vorsichtige Aneignung seiner eigenen Geschichte, und - unterbrochen von kurzen Abstechern in die Gegenwart - schreibt er sich an die Gerüche, Farben und Klänge der Kindheit heran.

"Erinnerungskunst, habe ich mal gelesen, besteht darin, dass man sich an Räume erinnert - was in diesen Räumen alles zu sehen, zu spüren, zu schmecken, zu riechen war. Diesen Ratschlag habe ich beherzigt und mich in diese Erinnerungen hineinfallen lassen", so Heinisch. Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer: "Suchbild mit Katze" - das ist ein berührendes Mosaik aus Erinnerungsstücken, eine atmosphärisch dichte, konzentrierte Prosa.

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