Roscic wird neuer Staatsoperndirektor

Bogdan Roscic, derzeit Präsident der Klassiksparte des Musikkonzerns Sony, wird mit der Saison 2020/21 neuer Direktor der Wiener Staatsoper.

Der einstige Chef von Ö3 folgt damit auf Dominique Meyer, dessen Vertrag mithin nach zwei Amtszeiten 2020 auslaufen wird.

Bogdan Roscic

"An einer Oper muss es eine professionelle Kulturvermarktung geben. Nicht um zu werben, sondern um die vielen kleinen Wunder zu zeigen, die da geschehen", sagte der künftige Opernchef.

HERBERT NEUBAUER

Frühjournal, 22.12.2016

Auch am Tag nach der Entscheidung sorgt die Bestellung von Bogdan Roscic für heftige Diskussionen. Während der "Standard" von einer "erfrischenden Überraschung" spricht, kritisiert die konservative "Welt" die mangelnde Leitungserfahrung Roscic', was wiederum vom ehemaligen Generalmusikdirektor der Oper selbst, Franz Welser-Möst hinterfragt wird. Er verweist auf die zahlreichen Quereinsteiger der Branche: "Ein Alexander Pereira kam von Olivetti."

Kulturjournal, 21.12.2016

Mittagsjournal, 21.12.2016

Mittagsjournal, 21.12.2016

Bogdan Roscic im Interview mit

Mittagsjournal, 21.12.2016

Eine Analyse von Opern-Expertin

Schon am Tag vor der Bekanntgabe wurde Bogdan Roscic in nahezu allen Zeitungen und Online-Medien als Favorit gehandelt. Die User-Kommentare reichten von "Endlich Oper ohne Mottenkugeln" bis "Ein schlechter Scherz". Am Mittwoch präsentierten Kulturminister Thomas Drozda und Bundestheaterholdingchef Christian Kircher Roscic tatsächlich als designierten Staatsoperndirektor 2020 bis 2025.

Musikmanager zwischen E- und U-Musik

Der 1964 geborene Roscic kam als Zehnjähriger nach Linz. Der promovierte Philosoph und Musikwissenschaftler war Musikredakteur (vor allem für Popmusik) bei "Kurier" und "Presse", später Musikchef und zuletzt Senderchef bei Ö3, bevor er als Managing-Director zu Universal Music Austria ging. Nach leitenden Funktionen bei den Klassik-Lables Deutsche Grammophon und Decca ist er seit 2009 Chef von Sony Classical in New York, das unter anderem Lang Lang und Jonas Kaufmann unter Vertrag hat.

Richtungsweisende Entscheidung im Alleingang

Wie zuletzt Claudia Schmid bei Dominique Meyer entschied der Kulturminister auch diesmal im Alleingang, ohne Findungskommission, aber mit zwei wegweisenden Fragen: "Was erwarte ich mir von der Führung der Staatsoper ab dem Jahr 2020 und wer ist die richtige Persönlichkeit dieses Anforderungsprofil zu erfüllen?", so Drozda.

Er stellt Roscic als Top-Manager der klassischen Musik vor und betonte dessen exzellente Vernetzung mit den weltbesten Sängern und Dirigenten.

Zukunft eines Opernhauses 4.0

Es gehe darum, die Staatsoper richtungsweisend für die Zukunft weiterzuentwickeln, angesichts der steigenden Konkurrenz vor allem im digitalen Bereich. Die Oper befinde sich in einer nie dagewesenen Konkurrenz um die Zeit und das Geld des Publikums, sagte auch Roscic und nannte die New Yorker Met als Schreckensvision, die bisweilen Auslastungen von rund 30 Prozent zu beklagen habe.

Auch wenn die Auslastung in Wien derzeit so gut sei wie nie zuvor, steige das Durchschnittsalter des Publikums beständig und das Haus müsse die Kraft haben, sein Publikum selbst zu schaffen, so der designierte Opernchef.

"Was" und "Warum" statt "Wie"

"Wir reden zu viel über das Wie", sagte Roscic: "Wie war seine rechte Hand in den Octave-Passagen im Finale, wie war seine Bogenführung im langsamen Satz." Das Publikum von morgen erwarte sich stattdessen Antworten auf die Fragen "Was ist Oper und warum soll sie ein wichtiger Teil meines Lebens sein", so das Plädoyer des designierten Staatsopernchefs.

Lob für Meyer

Konkrete Angaben bezüglich Generalmusikdirektion, Repertoirebetrieb und Premierenablauf wollte er nicht machen, nur so viel: es solle deutlich mehr Premieren geben, so der Wunsch des Kulturministers, der auch den amtierenden Direktor Dominique Meyer für seine bisherige Arbeit würdigte. Meyer habe zugesagt, bis zum letzten Tag regulär im Amt zu bleiben. Roscic tritt seine Stelle am 1. September 2020 an.