Grasbewuchs an der Küste

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Gedanken zu Leiden, Tod und Auferstehung

"Ich will nichts mehr für mich. Ich will zugrunde gehen", schreibt Ingeborg Bachmann in ihrem Gedicht "Böhmen liegt am Meer". Und später: "Zugrund gerichtet, wach ich ruhig auf. Von Grund auf weiß ich jetzt, und ich bin unverloren." Ein gutes Bild für Ostern, sagt der römisch-katholische Theologe und Generalvikar der Erzdiözese Wien, Nikolaus Krasa.

Ingeborg Bachmann schreibt dieses Gedicht vor dem Hintergrund einer gescheiterten Beziehung und einem Neuanfang, den sie in Prag erlebt. Diese geniale Metapher beschreibt laut Krasa beide Dimensionen, die Ostern ausmachen: "Nämlich das Zugrundegehen, Zerstört-Werden, Zerbrechen. Zu Ostern geht es um das Zerbrechen Jesu bis zu seinem Tod am Kreuz. Und trotzdem steckt im Zugrundegehen auch noch etwas Positives, weil es einen Grund gibt, der uns hält und trägt".

"Ostern heißt nicht nur das Zerbrechen von Jesus von Nazareth, sondern dass er seinen Grund in Gott findet und aufersteht, neues Leben hat."

"Triduum Sacrum" oder auch "Österliches Triduum" wird in der römisch-katholischen Kirche traditionell der Zeitraum von der abendlichen Messe des Gründonnerstags ("Letztes Abendmahl"), über den Karfreitag ("Kreuzestod Jesu"), Karsamstag ("Grabesruhe") bis zur Vesper des Ostersonntags ("Auferstehung") genannt.

Es gilt als ein einziges Hochfest, das höchste des Kirchenjahres, und führt in den liturgischen Büchern den Titel "Die Drei Österlichen Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrn". Für Nikolaus Krasa haben die drei Kartage eine besondere Dynamik: "Eigentlich feiern wir in einer Feier, die am Gründonnerstag beginnt und bis zur Osternacht dauert, Tod und Auferstehung, das Pascha-Geheimnis."

Ostern und Pessach - eine komplexe Beziehung

Das österliche Triduum beginnt mit dem sogenannten Abendmahl am Gründonnerstag. Dass es sich dabei um ein Sedermahl gehandelt hat, ist umstritten. Prinzipiell könne nicht davon ausgegangen werden, dass Jesus Pessach gefeiert habe wie Jüdinnen und Juden das heute tun, erklärt Sarah Egger, die Generalsekretärin des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

"Wir wissen einfach nicht, wie damals Pessach gefeiert worden ist. Vieles hat sich erst später herausgebildet." Nachvollziehbar sei für sie jedoch, dass Jesus tatsächlich zu Pessach gestorben sei. "Pessach war und ist ein Wallfahrtsfest, da kamen extrem viele Leute nach Jerusalem und die römischen Herrscher hatten Sicherheitsbedenken. Das heißt, sie richteten wohl besonders schnell Menschen hin, die Aufruhr gestiftet haben." Deshalb sei es historisch logisch, dass Jesu letztes Mahl auch zu Pessach gewesen sei, so Sarah Egger.

"Pessach erinnert daran, dass Gott Menschen dabei hilft sich zu befreien."

Das Judentum feiert zu Pessach den Auszug der Israelitinnen und Israeliten aus Ägypten, das konstituierende Ereignis für das Volk Israel und später das Judentum. "Es ist eine Geschichte von Befreiung und Aufbruch, die ich mir in diesen Tagen immer zum Anlass nehme darüber nachzudenken, was einen selbst eigentlich unfrei macht, welche Gegebenheiten im eigenen Leben. Wo fühle ich mich unterdrückt? Kann ich mich vielleicht selbst daraus befreien?", sagt die Generalsekretärin des christlich-jüdischen Koordinierungsausschusses.

Für den katholischen Theologen Nikolaus Krasa sind beide Erzählungen, jene von Ostern und jene von Pessach, Geschichten über Befreiung. "Auch wenn Judentum und Christentum mit diesem Begriff wahrscheinlich etwas anderes meinen", sagt er.

Warum "Ostern"?

Ostern wird in der römischen Liturgie und in den romanischen Sprachen sowie im Niederdeutschen, Holländischen, Norwegischen und Dänischen mit dem aramäischen Namen des zugrunde liegenden Paschafestes bezeichnet (ital. pasqua, span. pascua, franz. pâques). Das jüdische "Passah" oder "Pesach" bedeutet "vorübergehen, überspringen, verschonen" (engl. Passover) und erinnert daran, dass der von Gott geschickte Todesengel der Überlieferung zufolge vor dem Auszug aus Ägypten die israelitischen Erstgeborenen verschont, die ägyptischen jedoch nicht.

Die Wortherkunft von "Ostern" ist unklar, es gibt verschiedene Deutungen. Eine nicht unumstrittene Interpretation geht davon aus, dass es sich von der germanischen Frühlingsgöttin "Ostara" ableitet. Im Neopaganismus werden heute in der Frühlingszeit liegende Feste zumeist als Ostara oder Ostarafest bezeichnet.

Andere Sprachforscherinnen und –forscher verweisen auf "Osten", der Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs, oder auf das mittelhochdeutsche "Urständ" (= Auferstehung) als mögliche Erklärung für die Bedeutung des Wortes. Neuere Deutungen leiten den Namen "Ostern" von der christlichen Bezeichnung "hebdomada in albis" (Woche in weißen Kleidern) ab. Dabei habe man das "in albis" als Plural von "alba" (lat.: Morgenröte) betrachtet und mit dem althochdeutschen "eostarun" übersetzt. Auch dieser Erklärungsversuch basiert auf der Vorstellung von Christus als die im Osten aufgehende Sonne.

Seit dem Konzil von Nizäa (325) wird das Osterfest jedes Jahr am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Berechnet wird der Ostertermin in der Ost- und Westkirche gleich. Da sich die Ostkirche nach dem Julianischen und nicht dem Gregorianischen Kalender richtet, können die Termine des Osterfestes in der Ost- und Westkirche bis zu fünf Wochen auseinander liegen.

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