Maria Hegele (Mezzosopran)

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Maria Hegele, Mezzosopran

Ursprünglich wollte sie sich dem Genre des Musicals widmen. Letztlich wurde es allerdings doch die Oper. Die Mezzosopranistin Maria Hegele befindet sich derzeit im Masterstudium für Oper und Musiktheater an der Universität Mozarteum Salzburg bei Barbara Bonney. 2016 war sie bei den Salzburger Festspielen in der Uraufführung von Thomas Adès' "The Exterminating Angel" in der Rolle eines "Servant", sowie in der Produktion "Gesualdo" am Salzburger Landestheater zu erleben.

Was ist Kunst?

Was für eine erste Frage! Sind Songtexte mit Vergleichen über die körperliche Erscheinung von Ausschwitz Insassen Kunst? Sind ausdrücklich als negativ Beispiel angekündigte Schmähgedichte über Staatsoberhäupter Kunst? Sind Unmengen von Selfies und Posts #nofilter auf Instagram, snapchat und twitter Kunst? Ist der, der die Kunst erfunden hat, der, der beim ersten "Anblick gemalter oder gemeißelter Figuren sein Portemonnaie zückte" (Spiegel Special 12/1996)? Sind Bücher über Bondage, Fesseln und MS Kunst? Oder Bücher, die in komplexen, nicht enden wollenden Sätzen von einem Menschen erzählen, dem aufgrund der willkürlichen Forderung eines nicht existenten Passierscheins Unrecht widerfährt, und der, aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände, zur Selbstjustiz, ganz nach dem Motto - Fiat iustitia et pereat mundus - greift? Ist Kunst der Drang sich auszudrücken und irgendwann der Drang damit Geld zu verdienen? Geht dann nicht der ursprüngliche Drang verloren? Ist es Kunst, gelassen zu bleiben oder klar denken zu können? Sollte der Begriff ‚Kunst‘, was er einschließt und was nicht, nicht ständig zur Debatte stehen? Wer bin ich das zu entscheiden?

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Also zum Singen bin ich durch meine Familie gekommen. Mein Vater ist Berufsmusiker, meine Mutter Hobbymusikerin und der ungezwungene Umgang mit Musik, die unübersehbare Ehrfurcht und Bewunderung für die Musik hat mich sehr beeindruckt und geprägt.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

In erster Linie, glaube ich, kommt Kunst vom Wollen. Alles andere kommt danach. Oder auch nicht.

Wo würden Sie am liebsten auftreten?

Puh…ich bin da grundsätzlich offen für alles!

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Seit längerem habe ich das Glück mit einem meiner größten Vorbilder arbeiten zu können, meiner Professorin Barbara Bonney. Der Rest der Liste ist aber noch lang!

Wie viel Markt verträgt die Kunst?

Schwierige Frage… Ich würde auch hier erstmal tausend Fragen stellen müssen, um zumindest eine Idee davon zu bekommen und mich am Ende immer noch nicht trauen, das nieder zu schreiben und einen Punkt dahinter zu setzen.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Um darüber nachzudenken könnte man mal einen lauen Sommerabend an der Salzach investieren.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Man weiß nicht wo das alles hinführen soll – keine Ahnung wie die Welt dann aussehen wird.

Haben Sie einen Plan B?

Noch nicht.

Wann und wo sind Sie das letzte Mal unangenehm aufgefallen?

Gerade im Zug als ich offensichtlich deutlich signalisiert habe, dass ich den freien Platz neben mir ungerne räume. Also mir zumindest war das unangenehm.

Wollen Sie die Welt verändern?

In Zeiten von Rastlosigkeit, Reizüberflutung, oktroyierten, unmenschlich hohen Ansprüchen und Druck (von/durch wen auch immer) hat Kunst die Fähigkeit zurückholen, zu entschleunigen und sehr innig zu berühren. Und auch wenn nur 20 Leute vor mir sitzen und mir zu hören, versuche ich ihnen das zu geben.