Ignaz Kirchner

APA/ROBERT JAEGER

Schauspieler Ignaz Kirchner gestorben

Der Kammerschauspieler Ignaz Kirchner ist gestern, Mittwoch, 72-jährig gestorben. Er sei seiner langen Krankheit erlegen, hieß es heute aus dem Burgtheater, wo man um den großen Schauspieler trauert.

Mittagsjournal | 27 09 2018

Katharina Menhofer

Kirchner arbeitete seit über 30 Jahren mit kurzer Unterbrechung in Wien, er zählte zu den Stützen des Burgtheaterensembles, arbeitete mit Zadek, Tabori, Gosch und Peymann, der ihn ans Burgtheater holte. Hier hat er mit unzähligen Rollen, vor allem an der Seite von Gert Voss, mit dem er immer wieder in Herr-Diener-Konstellationen aufgetreten war. Seine letzte Rolle war der Gerbermeister Morten Kiil in "Ein Volksfeind" von Henrik Ibsen in der Regie von Jette Steckel.

"Wir sind ganz zufällig in diese Welt hineingeworfen und wir werden lautlos aus ihr vergehen"
Ignaz Kirchner

"Ich bin schon in gewisser Weise anerkennungssüchtig" - so bekannte Ignaz Kirchner einmal freimütig. Selbstironisch, politisch, und zuweilen recht streitbar war Ignaz Kirchner, der sich gerne als Europäer bezeichnete, von der Verstörungspflicht des Theaters sprach und immer einen roten Gegenstand, einen Knopf oder ein Taschentuch, als Glücksbringer bei sich trug. Seine Eitelkeit, so Kirchner, sei seinem Wunsch ein ganz freier Mensch zu sein im Wege gestanden. "Wie andere Geld- oder Macht-süchtig sind, bin ich süchtig nach meinem Beruf."

Intermezzo

"Das Leben ist die Sinngebung des Sinnlosen" - Ignaz Kirchner im Jahr 2016 zu Gast in "Intermezzo"

Von Peymann nach Wien geholt

Kirchner wurde 1946 in Wuppertal geboren, nach einer Buchhandelslehre begann er in Bochum seine Schauspielausbildung und wurde von Claus Peymann nach Stuttgart geholt. Es folgten Stationen in Bremen, München und Köln, bevor ihn Peymann 1987 ans Burgtheater engagierte. Nicht alles an Peymann schätzte Kirchner, war aber der Ansicht: "Wenn der Herr Peymann nicht gekommen wäre, dann wäre das österreichische Theater sehr provinziell."

Als Schlomo Herzl feierte er in George Taboris Uraufführung "Mein Kampf" sein Wien-Debüt. Und lernte durch negative Reaktionen aus der Bevölkerung - es war das Jahr der Waldheimaffäre -, dass die NS-Aufarbeitung noch nicht begonnen hatte.

Traumpaar Voss-Kirchner

Am Burgtheater wurden Ignaz Kirchner und Gert Voss ein Besetzungstraumpaar. Sie spielten etwa in den "Goldberg-Variationen", in Genets "Zofen", Beckets "Endspiel" oder Shakespeares "Othello" und "Kaufmann von Venedig".

Gerne erinnerte sich Ignaz Kirchner an ein Zitat von Friedrich Gulda. "Der hat einen guten Satz über mich gesagt: Wissen sie, was der Unterschied zwischen ihnen und dem Gert Voss ist? Sie sind beide gleich begabt, spielen mit gleicher Leidenschaft, nur sie sind ein bisschen schircher."

Bis zuletzt auf der Bühne

Der in den letzten Jahren glatzköpfige, etwas korpulentere Kirchner mit den charakteristisch runden Brillen stand bis zuletzt auf der Bühne, etwa bei Ibsens "Volksfeind", aber auch mit mehreren Soloprogrammen, wie Lesungen aus Musils "Mann ohne Eigenschaften" oder Wilhelm Reichs "Rede an den kleinen Mann", die zu seinen absoluten Lieblingstexten gehörte.

"Das Leben ist die Sinngebung des Sinnlosen"

2016 erschien seine Biografie mit dem Titel "Immer an der Grenze der Verrücktheit". "Ich hätte lieber als Titel gehabt: Was ist der Sinn des Lebens? - 'Die Sinngebung des Sinnlosen', aber das ist nicht verkaufsfördernd", sagte Kirchner zuletzt in Ö1 "Intermezzo". "Wir sind ganz zufällig in diese Welt hineingeworfen und wir werden lautlos aus ihr vergehen."

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