Ruheliegen

AFP/MARIA PIMENTEL

Impulse zur Selbstheilung

Die Diagnose Bandscheibenvorfall bekommen viele Patient/innen. Die Information, dass dieser nach zwei Jahren von sich aus zurückgeht, erhalten nur wenige. Offen bleibt die Frage nach der richtigen Therapie. Schmerzhafte Operationen statt Heilgymnastik waren über Jahrzehnte die angewandten Methoden. Doch langsam macht sich auch in der Medizin ein Umdenken bemerkbar. Denn Patient/innen helfen heißt, mit den Selbstheilungskräften des Körpers zu arbeiten. Und diese sind vielfältig.

Bildschirm mit Aufnahmen eines MRT vom Gehirn

DPA/ANDREAS GEBERT

Die Fähigkeit des menschlichen Gehirns, auf Neues zu reagieren, wird heute in der Medizin gezielt genutzt. Die Neuroplastizität eröffnet vielfältige Möglichkeiten für nicht invasive Therapien bei neurologischen Erkrankungen.

Am Max-Planck-Institut in Leipzig haben Wissenschaftler um den Neurologen Bernhard Sehm Trainingsprogramme für Parkinson-Patient/innen entwickelt. Am Stabilometer wird deren Gleichgewichtssinn geübt. Krankheitsbedingte Ausfälle im Bereich der Basalganglien werden so kompensiert. Bildgebende Verfahren zeigen: Hier übernimmt das Stammhirn neue Aufgaben.

Bewegung im Spiegel stimuliert das Gehirn

Wenn ein Patient durch einen Schlaganfall gelähmt ist und nicht mehr weiß, wie er seinen Arm bewegen soll, kommt die Spiegeltherapie zum Einsatz. Dem Gehirn des Patienten wird im Spiegel vorgegaukelt, dass er den gelähmten Arm bewegen könne. Damit lassen sich die neuronalen Netzwerke aktivieren.

Am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen erweitert der Neurologe Ulf Ziemann diesen Therapieansatz um die transkranielle Magnetstimulation. Betroffene Gehirnregionen werden angeregt. Die Beweglichkeit der gelähmten Gliedmaßen kehrt zurück.

Musik stimuliert Nervenzellen

Die heilende Wirkung der Musik ist seit der Antike bekannt. Dank moderner bildgebender Verfahren lässt sich diese Wirkung auch dokumentieren. Denn Musik stimuliert die Nervenzellen, sie spricht Gefühle an und hilft, diese zu regulieren. Damit löst Musik Regenerationsprozesse aus. Und wer selbst musiziert, schützt sich erfolgreich vor einer Demenz-Erkrankung.

In dem Projekt "Fit mit Musik" untersucht der Neurologe Eckart Altenmüller von der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover in Kooperation mit den Medizinischen Universitäten Hannover und Genf die Wirkung von Musik auf das Gedächtnis. Untersuchungen zeigen, dass Klavierspielen nicht nur die Feinmotorik trainiert, sondern auch die sogenannten kognitiven Reserven stärkt. Biologisch verjüngt sich das Gehirn so um mehrere Jahre.

Gänseblümchen

APA/DPA

Fasten regt die Stoffwechselprozesse in den Zellen an

Das Wissen um die regenerativen Kräfte des Fastens ist nahezu in allen Kulturen weltweit verankert. Fastenzeiten sind fixer Bestandteil religiöser Praktiken und ein zentrales Element von gesundheitsförderlichen Maßnahmen. Wer ein paar Tage fastet, fühlt sich gesünder. Medizinisch gesehen sinken Cholesterinwerte, und der Blutzuckerspiegel normalisiert sich. Durch Fasten lässt sich auch der Blutdruck regulieren.

In der Forschungsgruppe von Frank Madeo an der Universität Graz werden die Folgen des Fastens auf zellulärer Ebene untersucht. Fest steht, dass Fasten die Stoffwechselprozesse in den Zellen anregt. Durch die sogenannte Autophagie wird beschädigtes Zellmaterial abgebaut und recycelt. So ist der menschliche Körper in der Lage, Schäden selbst zu reparieren.

Für die Forscher öffnen sich damit neue Felder. Die Patient/innen wiederum bekommen ein Werkzeug in die Hand, das ihnen hilft, selbst zu handeln. Denn gezielte Bewegung und richtige Ernährung sind nicht nur gesundheitsförderliche Maßnahmen. Sie setzen Impulse zur Selbstheilung.

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