Szenenausschnitt

WALT DISNEY STUDIOS MOTION PICTURES

Donnersmarcks "Werk ohne Autor" im Kino

Mit seinem Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" hat der deutsche Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck 2006 einen großen Kinoerfolg gefeiert, inklusive Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Nach einem Ausflug nach Hollywood, wo von Donnersmarck 2010 den Film "The Tourist" drehte, kehrte er für seinen neuen Film nach Deutschland zurück. In "Werk ohne Autor" bearbeitet er nun - anhand der Biografie eines Bildenden Künstlers - deutsche Geschichte von den 1930ern bis in die 60er Jahre.

Morgenjournal | 04 10 2018

Arnold Schnötzinger

Schon als Schildermaler in der DDR braucht Kurt Barnert (Tom Schilling) keine Schablone, um die Buchstaben akkurat hinzubringen. Er malt freihändig. Eine Geste, die der Film "Werk ohne Autor" fast nebenbei fallen lässt, und dennoch steckt darin praktisch schon die ganze Botschaft: Wie findet ein Künstler - im Widerstand zu gesellschaftlichen Schablonen - seinen ureigenen Ausdruck, wie sein künstlerisches Selbstverständnis, und wie darin auch die Freiheit des Menschen.

Kulturjournal | 04 10 2018 | Interview mit Florian Henckel von Donnersmarck

Arnold Schnötzinger

"Die wunderbare Fähigkeit von Künstlern ist es, aus den Wunden ihres Lebens etwas Großartiges zu machen." Florian Henckel von Donnersmarck

Gerhard Richter als Vorbild

Zumindest zwei Katastrophen hat Kurt in seinem Leben ertragen müssen: den Nationalsozialismus und die DDR-Diktatur. Der Film gibt sich als fiktives Künstlerporträt mit klaren Verweisen auf die Wirklichkeit, auf die Biografie des deutschen Malers Gerhard Richter: Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck: "Richter ist ja so wie meine Hauptfigur 1932 geboren und hat in seinen prägenden Jahren all die wahnsinnigen Dinge des 20. Jahrhunderts am eigenen Leib erleben können."

Schwiegervater ein Rassenhygieniker

Das Private kommt hier nie ohne das Politische aus. Die Unterwerfung des Individuums unter das Kollektiv, Kunst im Dienste des Arbeiters, Kurts Heirat mit einer Frau (Paula Beer), deren Vater im Dritten Reich als Rassenhygieniker tätig war, auch bei Kurts Tante Elisabeth. Kaum hat der Arzt (Sebastian Koch) am Schreibtisch das Todesurteil gefällt, wischt er sich mit dem Taschentuch eine Träne weg, die Elisabeth auf seinem Schuh hinterlassen hat. Einfach weggewischt, ein Leben! Zwei Weltbilder reibt Regisseur von Donnersmarck kontinuierlich aneinander, hier der Künstler, der um Wahrheit ringt, dort der Arzt, der sie vertuscht, und seinen Zynismus ungestraft in die Nachkriegszeit hinüberrettet.

Schicksalshafte Verbindung

Diese schicksalshafte Verbindung zwischen Kurt und seinem Nazi-Schwiegervater, die der Film als Geheimnis und Spannungsbrücke über weite Strecken nur mit den Kinopublikum teilt, ist übrigens keine Erfindung, erklärt Regisseur und Autor Von Donnersmarck, "sonst wäre ich ja ein mexikanischer Seifenoper-Drehbuchautor. Tatsache ist, dass Gerhard Richter von diesem Zusammenhang selbst lange nichts gewusst hat".

Überbordende Ambition

Private und künstlerische Glückssuche, sarkastische Kommentare auf den Kunstbetrieb, Abrechnung mit autoritären Systemen, über drei Stunden lang spitzt von Donnersmarck sein gewichtiges Material - durchaus gelungen - symbolträchtig zu, überbordend allerdings in der Ambition. Der Maler Kurt zweifelt oft, der Film selbst will das aber in jeder Sekunde vermeiden.

Gestaltung

  • Arnold Schnötzinger

Übersicht