Michael Rotschopf (Arthur), Ferdinand Kraemer (Kleiner Arthur) und Max Urlacher (Oswald)

RUTH UND MARTIN WALZ

Purcells "King Arthur" im Theater an der Wien

2017 hat Henry Purcells "King Arthur" unter der Regie von Sven-Eric Bechtolf und Julian Crouch große Erfolge in der Berliner Staatsoper unter den Linden gefeiert. Nun ist die opulente Produktion auch im Theater an der Wien zu sehen und verspricht nicht minder fulminant zu werden.

Morgenjournal | 16 01 2019
Judith Hoffmann

Nicht erst seit Klaus Nomis "Cold Song", dieser exzentrischen 80er-Jahre-Interpretation der Frost-Arie "What power art thou", darf man Henry Purcells "King Arthur" eine gewisse Pop-Hit-Qualität attestieren. Denn es prickelt und sprudelt nur so vor musikalischen Einfällen und pulsierenden Rhythmen in dieser 1691 uraufgeführten Semi-Oper, und genau dieses Ideenfeuerwerk diente Sven-Eric Bechtolf und Julian Crouch ganz offenkundig auch als Impuls für ihre Inszenierung.

Kulturjournal | 16 01 2019 | Interview mit Sven-Eric Bechtolf und Julian Crouch
Judith Hoffmann

"Dieses Stück ist entstanden, um die Schaulust und die Hörlust zu befriedigen, und noch dazu patriotische Gefühle zu wecken", sagt Sven-Eric Bechtolf. Doch vor allem sei die Handlung ein Vorwand, um ein großes Spektakel aus Gesang, Schauspiel und Tanz zu bieten, so der Regisseur.

Buntes Zauberspektakel für Auge und Ohr

Bechtolf und Crouch greifen diese Grundidee auf vielen Ebenen auf und siedeln die Geschichte des mittelalterlichen Sagenhelden Artus inmitten von überlebensgroßen Puppen, quirligen Luftgeistern, zauberhaften Bühnenelementen, Farben- und Schattenspielen an.

Rundherum bauen sie eine Rahmenhandlung, die zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt und mithilfe derer sie das dem Stück zugrunde liegende Heldenthema kritisch und skeptisch hinterfragen. "Diese Erziehung zum Helden hat uns interessiert. Wie wird ein kleiner Bub dazu gebracht, diese Verrücktheiten mitzumachen?" erläutert Bechtolf das Regiekonzept.

Kleiner Bub als Wandler zwischen den Welten

Zum achten Geburtstag erhält der kleine Arthur, dessen Vater im Zweiten Weltkrieg als Flieger ums Leben kam, ein Sagenbuch, aus dem ihm Großvater und Mutter vorlesen. Nach und nach taucht er in seinen Träumen immer weiter ein in diese mythische Welt der Artussage, in der sich sein Vater in König Arthur, der Großvater in den Zauberer Merlin und die Mutter in die schöne, blinde Emmeline verwandelt, um die Arthur und der Sachse Oswald Krieg führen.

Die zeitlichen Ebenen wechseln ebenso abrupt wie Realität und Fiktion, immer mehr werden Sagenwelt und brutale Wirklichkeit des Krieges ineinander verzahnt, und der kleine Bub wird zum Bindeglied zwischen der schrillen Märchenwelt und der grauen Tristesse zwischen Kriegsversehrten und Todesmeldungen.

"Erstes Musical der Musikgeschichte" - immer noch ein Schlager

Die Handlung wird fast ausschließlich von Sprechrollen getragen, deren Texte Bechtolf modernisierte und mit subtilen Gegenwartsverweisen spickte. Vor allem Osmond (Oliver Stokowski) schlägt als bitterböse Witzfigur eine Brücke zwischen Mittelalter und Gegenwart. Dazwischen ergänzen und illustrieren die zahlreichen Instrumental- und Gesangspassagen zwischen und unter den Dialogen das Geschehen beinahe wie Filmmusik.

"Es ist ein friedliches Nebeneinander von Tanz, Gesang und Schauspiel. Nicht umsonst hat Nikolaus Harnoncourt die Gattung Semi-Oper einmal als erstes Musical der Musikgeschichte bezeichnet", sagt der musikalische Leiter Stefan Gottfried, derzeit "Conductor in Residence" am Theater an der Wien, der als Nachfolger Nikolaus Harnoncourts am Pult des Concentus Musicus steht.

Bei der Premiere in Berlin erntete das zauberhafte musikalische Märchenspektakel vor zwei Jahren großen Beifall. Und vieles deutet darauf hin, dass die Neuinszenierung am Theater an der Wien ein ähnlicher Erfolg beschert sein wird.

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