Steven Scharf als "Franz Woyzeck" und Anna Drexler als "Marie"

APA/HERBERT NEUBAUER

"Woyzeck" im Akademietheater

Zuletzt war Georg Büchners "Woyzeck" vor 30 Jahren am Wiener Burgtheater zu sehen, jetzt setzt es der niederländische Regisseur und Intendant des Schauspielhauses Bochum, Johan Simons, mit Steven Scharf in der Titelrolle in Szene. Premiere ist am Mittwoch am Akademietheater.

Der 1837 im Alter von nur 23 Jahren gestorbene Sozialrevolutionär und Autor des Vormärz hat sein soziales Drama um einen Menschen, der durch gesellschaftliche Zwänge zum Mörder wird, unvollendet hinterlassen. Seither gilt der "Woyzeck" als Fundgrube für Theater- und Filmemacher, Komponisten und Maler.

Mittagsjournal | 09 04 2019

Katharina Menhofer

Kulturjournal | 09 04 2019 - Johan Simons im Gespräch

Katharina Menhofer

Woyzeck ist ein Verlierer auf ganzer Strecke. Der einfache Soldat mit schizophrenen Anlagen muss mehrere Arbeiten annehmen, um zu überleben. So stellt er sich für medizinische Experimente zur Verfügung - etwa eine wochenlange Erbsendiät - und unterstützt mit dem Geld seine Lebensgefährtin Marie und das gemeinsame Kind.

Ein guter Mensch, aber er hat keine Moral …

Marie ist Woyzecks Anker zur Welt, in der er gedemütigt verhöhnt und missbraucht wird. Als sie ihn mit dem Tambourmajor betrügt, bringt er sie um. Woyzeck sei eine in jeder Hinsicht entgrenzte Figur, sagt Regisseur Johann Simons, und berühre ihn ganz persönlich. "Das ist für mich fast eine persönliche Geschichte. Ich stamme aus einfachen Verhältnissen, mein Vater war ein richtiger Loser, und dann erkennt man Sachen bei Woyzeck, wo man sich denkt, schade, dass dieses schöne poetische Leben so zu Grunde geht."

Steven Scharf als "Franz Woyzeck"

Steven Scharf als Franz Woyzeck

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Jeder Satz eine eigene Geschichte

Büchners sozialkritisches Drama um einen empfindsamen Menschen, dem das Menschsein versagt wird, begleitet den bekennenden Büchner-Fan und Regisseur Johan Simons schon lange. Es ist seine dritte Woyzeck Inszenierung, immer wieder findet er neue Ansätze. Vor allem die Sprache Büchners - habe eine unglaubliche Kraft und Schönheit - jeder Satz eine eigene Geschichte. "Fast wie Haikus", schwärmt Simons, man könne mit Büchners Sätzen einen Kalender für das ganze Jahr machen.

Eine Kulisse wie Woyzecks Leben

Die aktuelle Inszenierung verlegt Johan Simons in eine schäbige Zirkuswelt: fragmentarisch und unperfekt wie das Drama selbst. Eine Kulisse, die wie das Leben Woyzecks - in Fetzen gerissen und zertrümmert wird.

Steven Scharf spielt den Woyzeck, als Marie ist Anna Drexler zu sehen, die Johan Simons während seiner Intendanz an den Münchner Kammerspielen ins Ensemble holte und sie auch zur Ruhrtriennale mitnahm. Seit Herbst leitet er das Schauspielhaus Bochum.

Schauspielhaus Bochum

Das Publikum müsse er noch kennenlernen. "Aber macht man dann Sachen, die das Publikum liebt, oder denkt man, nein, meine eigenen Sachen sind mir wichtig?" Im Fall der "Penthesilea" gelingt sogar beides. Die auch in Salzburg gezeigte Produktion mit dem neuen Iffland-Ringträger Jens Harzer wird gestürmt und auch der "Woyzeck" soll später in Bochum gezeigt werden.

Gleich nach der Wiener Premiere muss Johan Simons dorthin zurück, denn das Schauspielhaus Bochum feiert am Wochenende mit einem großen Fest sein 100-jähriges Bestehen.

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