Eine Illustration des Pantheons mit Wasserfarben

ORF/ISABELLE ORSINI-ROSENBERG

Der Himmel voller Götter

Von Peter Klein

Als der russische Kosmonaut Juri Gagarin am 12. April 1961 als erster Mensch in den Weltraum geschossen wurde und in 108 Minuten die Erde umrundete, saß mein Großvater in der Küche und hörte Radio.

Am Ende der Nachrichten stand er auf, schaltete das Radio ab und setzte sich auf die Küchenbank. Er habe immer schon geahnt, sagte er, dass es keinen gibt. Denn wenn es einen gäbe, hätte Gagarin ihn gesehen, den alten Mann mit weißem Bart, der angeblich im Himmel wohnt. Von da an ging Opa zwar weiterhin in die Kirche, aber er glaubte nicht mehr an den lieben und allmächtigen Gott.

Opa war weder Kultur- noch Religionswissenschaftler, er war Zimmermann. Schade, dass er nicht mehr Radio hören kann. Er starb, hochbetagt, 1978. Ich hätte ihm zu gern eine Ö1 Reihe empfohlen, die Mitte Juli startet und nach 28 Folgen Ende August endet. Es hätten freilich auch 50 oder 150 Folgen sein können oder noch viel mehr. Dann hätte Opa vielleicht verstanden, dass es, weltweit betrachtet, weit mehr als einen Gott gibt und dass Götter auch nicht zwangsläufig im Himmel wohnen.

Sie können männlich sein oder weiblich oder weder noch

Manche hausen angeblich in der Erde, andere im Wasser, wieder andere sind Geister, Wesen, Prinzipien oder Ideen. Nicht alle beanspruchen für sich, die Erde, die Menschen, Pflanzen und Tiere erschaffen zu haben, nicht alle sind allmächtig.

In vielen Religionen gehen Gottheiten arbeitsteilig vor. Es gibt strafende und zürnende Götter, es gibt liebenswürdige und sympathische, milde und gütige. Manche wechseln je nach Bedarf ihre Gestalt, haben menschliche oder teuflische Züge, sie können männlich sein oder weiblich oder weder noch.

Unter der Federführung meiner Kollegin Kerstin Tretina unternimmt Ö1 diesen Sommer den Versuch, zumindest einen Teil der weltweiten Götterwelt auszuleuchten. Australische Gottheiten sind darunter, nord- und südamerikanische, afrikanische, indische, ägyptische und japanische. Und natürlich auch der Gott der Christen, jener der Juden und jener der Muslime.

Monopole werfen auch in der Religion mitunter mehr Probleme auf als sie lösen

Die wenigsten haben Kirchen oder Religionsgemeinschaften begründet, viele haben einen eher eingeschränkten Bekanntheitsgrad. Und doch waren und sind sie den Menschen wichtig. Die Welt der Götter ist vielfältig und bunt. Und es sollte kein Schaden sein, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass Monopole nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Religion mitunter mehr Probleme aufwerfen als sie lösen.

Unser "Himmel voller Götter" ist ab 15. Juli von Montag bis Donnerstag jeweils ab 16.55 Uhr für fünf Minuten geöffnet, alle Snapshots werden gegen Ende der Serie auch als CD erscheinen.

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Sommer mit Ö1