Rund um den Tisch mit dem Volksempfänger

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Goebbels' Schnauze

Der Volksempfänger und seine Rolle für den Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Am 30. Jänner 1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler, und die Rundfunkanstalten übertrugen den jubelnden Fackelzug zu Ehren des "Führers". Am Tag darauf hielt der neue Reichskanzler seine erste Radioansprache.

Von Anfang an setzten die Nationalsozialisten auf Propaganda, um ihre Macht auszubauen und zu festigen: Presse, Plakate, Aussendungen, Ausstellungen und Rundfunk bildeten die zentralen Medien ihrer Agitation. Dass der Rundfunk bereits in der Weimarer Republik stark unter Staatseinfluss gestanden war, erleichterte den Nationalsozialisten die Übernahme dieses effektiven Mittels der Massenbeeinflussung.

Absolute Mehrheit verfehlt

Die Reichstagswahl am 5. März 1933 stellte diese Macht unter Beweis, sie bescherte den Nationalsozialisten deutliche Zugewinne und machte sie zur stärksten Partei, doch wurde die absolute Mehrheit verfehlt. Um möglichst viele Menschen vor dem Radioapparat zu versammeln, ließen die Nationalsozialisten "Volksempfänger" in Umlauf bringen. Diese Röhrengeräte befanden sich in einem dunkelbraunen Quader aus Bakelit-Kunststoff. Die Volksempfänger waren deutlich billiger als die bis dahin gebräuchlichen Geräte aus Echtholz.

Der erste Volksempfänger trug die Bezeichnung VE 301 (Die Zahl 301 steht für den 30. Janner, den Tag der Machtübernahme). Wegen des großen Verkaufserfolgs kam 1938 als Nachfolgemodell der deutsche Kleinempfänger auf den Markt, der noch günstiger zu erwerben war. Ziel war die reichsweite Beschallung mit nationalsozialistischer Propaganda.

Massenmedium Radio

Die populären Volksempfänger, die das Radio zum Massenmedium machten, wurden zum zentralen Möbelstuck in den Wohnzimmern der deutschen Bevölkerung. In Abwandlung des bekannten Slogans kann man sagen, Rundfunk in der Nazizeit, das hieß: "Ein Volk, ein Reich, ein Rundfunk."

Goebbels spricht im Sportpalast

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Über ihren Volksempfänger konnte die Bevölkerung am 1. September 1939 Hitlers Rede aus dem Reichstag mitanhören: "Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen." Durch das Radio sollte die Bevölkerung in den Kriegsjahren nicht nur zum Durchhalten angetrieben werden, es gaukelte auch eine heile Welt vor: Schlagerstars trällerten aus den Radiogeraten, nach Hitlers und Goebbels' immer aggressiver werdenden Ansprachen.

"Wollt ihr den totalen Krieg?!"

Über den Volksempfänger war auch Goebbels' Rede aus dem Sportpalast im Februar 1943 zu hören. Als sich nach der verlorenen Schlacht bei Stalingrad bereits die Kriegswende deutlich abzuzeichnen begann, brüllte der Propagandaminister ins Mikrofon: "Wollt ihr den totalen Krieg?!"

Am Schreibtisch ein Volksempfänger, an der Wand ein großes Hitlerbild.

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Die BBC sendete ein deutschsprachiges Programm, um die Zivilbevölkerung im Dritten Reich über die Sicht der Alliierten zu informieren. Auslandssender waren zur Zeit der Nazidiktatur im Deutschen Reich begehrte Quellen, um jenseits der heimischen Agitationen und Propagandabeschwörungen der Wahrheit naher zu kommen.

BBC sendet auf deutsch

Vom NS-Regime wurde das Hören von Auslandssendern, sogenannter Feindsender, energisch bekämpft. Auf den Volksempfängern, mit denen nur die Reichssender empfangen werden konnten, befanden sich rote Warnschilder: "Das Abhören ausländischer Sender ist ein Verbrechen gegen die nationale Sicherheit unseres Volkes. Es wird auf Befehl unseres Fuhrers mit schweren Zuchthausstrafen geahndet!"

Anfang Mai 1945 war der Nazispuk vorbei. Am 9. Mai 1945 verkündete der Reichssender Flensburg die Kapitulation. Ein diensthabender Panzerspahfunker verlas die Erklärung des Oberkommandos der Wehrmacht: "Seit Mitternacht schweigen nun an allen Fronten die Waffen. Damit ist das fast sechsjährige heldenhafte Ringen zu Ende. Es hat uns große Siege, aber auch schwere Niederlagen gebracht. Die deutsche Wehrmacht ist am Ende einer gewaltigen Übermacht ehrenvoll unterlegen. Wir brachten den Wortlaut des letzten Wehrmachtsberichts dieses Krieges." Danach eine dreiminutige Funkstille.

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