Ohne Titel, 2007

MACIEJ DAKOWICZ

Street Photography im Kunst Haus Wien

Markante Aufnahmen aus den Straßen von Städten aus aller Welt von den 1930er Jahren bis in die Gegenwart zeigt das Kunst Haus Wien ab morgen in der Ausstellung "Street. Life. Photography" - darunter Ikonen der Fotografie wie Diane Arbus, Lisette Model oder Erich Lessing. Insgesamt sind mehr als 200 Fotografien von 35 Fotografinnen und Fotografen zu sehen.

Wenn am Gehsteig ein Rottweiler an der Leine einem Mann mit Papagei auf der Schulter begegnet, drückt Melanie Einzig im richtigen Moment auf den Auslöser ihrer Kamera. Ebenso, wenn sie in der U-Bahn einen häkelnden Mann antrifft, der sich in einem komplett in gelb gehäkelten Overall samt gelben Schlapphut gehörig von den anderen Reisenden im Businessanzug abhebt. Solche Kuriositäten bietet diese Schau als zweiter Teil zu der Ausstellung "Überleben am Land", die im Frühjahr im Kunst Haus Wien stattgefunden hat, wie Bettina Leidl, die Direktorin des Kunst Hauses Wien erklärt.

"Ohne Titel", aus der Serie, Feuer, Novgorod 1993

"Ohne Titel", aus der Serie, Feuer, Novgorod 1993

AXEL SCHÖN

Die Enge der Städte

Die Enge der Stadt führt etwa der Fotograf Michael Wolf vor Augen, der die Menschen fotografiert, wie sie morgens in Tokyo eng in die U-Bahn geschlichtet werden. Die Kuratorin Sabine Schnakenberg sagt, in der U-Bahn in Tokyo gebe es eigene Angestellte, die die Menschen in die Waggons schlichten, auch wenn sie schon voll sind.

In dieser Fotoserie sieht man, wie an den Scheiben das Kondenswasser hinunterrinnt und wie die Passagiere ihre körperliche Bedrängnis nur mit geschlossenen Augen ertragen, indem sie versuchen, ganz in sich selbst und ihrer Gedankenwelt zu versinken. Ein Mann scheint im Stehen zu schlafen, die Wange flach gedrückt an der Fensterscheibe, wodurch die Waggons wirken wie Dornröschensärge.

Digitale Kompositionen

Während es bei diesen Fotoserien auf den richtigen Moment ankommt, ist etwa die Arbeitstechnik des dänischen Fotografen Peter Funk eine ganz andere. Auf den ersten Blick wirken seine überfüllten Straßenszenen ganz normal.

Erst beim zweiten Blick wundert man sich: Warum führen an dieser Straßenecke 15 Menschen gerade ihren Hund Gassi? Warum haben alle ein rotes Plasticksackerl in der Hand oder warum laufen alle so schnell, dass sich ihre Füße zehn Zentimeter über dem Boden befinden? Die Antwort: Peter Funk macht an einer Straßenecke tausende von Aufnahmen und setzt dann digital alle Hundebesitzer oder Läufer auf einem Bild zusammen.

Kuriositäten

Etwa 50 Prozent der Fotografien stammen aus der Sammlung F.C. Gundlach in den Hamburger Deichtorhallen. Die Schau ist in Zusammenarbeit der Hamburger Deichtorhallen mit dem Kunst Haus Wien entstanden. Mit "Street. Life. Photography ist Direktorin Leidl einmal mehr eine sehr kulinarische und sinnliche Schau geglückt, in der das Kuriose nicht zu kurz kommt.

Service

Kunst Haus Wien - Street. Life. Photography - Street Photography aus sieben Jahrzehnten, 11. September 2019 bis zum 16. Februar 2020

Gestaltung

Übersicht