Sendemast

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5G - die nächste Mobilfunkgeneration

Noch ist sie primär ein Schlagwort: die nächste Mobilfunkgeneration 5G. Noch schneller sollen wir damit kommunizieren können, noch vernetzter soll unsere digitale Welt werden. Während sich die einen eine Geschwindigkeitsrevolution und die Möglichkeit zur vollständigen Vernetzung der modernen Welt davon erhoffen, fürchten sich die anderen vor der neuen Technologie.

Vor allem die Industrie lobt die Geschwindigkeit von 5G: 5G-Netze sollen es etwa möglich machen, dass Autos quasi in Echtzeit miteinander kommunizieren oder sich Geräte in Fabrikhallen besser Informationen austauschen. Die schnellere Mobilfunktechnologie öffnet vor allem dem Internet der Dinge neue Möglichkeiten. Der österreichische Automobilhersteller Magna Steyr testet zum Beispiel bereits in einer eigenen Lernfabrik, wie das Übertragen von großen Datenmengen auf Datenbrillen im 5G-Campus-Netz funktioniert.

Ein selbstfahrendes Auto, das auf 5G-Technologie basiert, wird mit Passagieren in China getestet.

Ein selbstfahrendes Auto, das auf 5G-Technologie basiert, wird mit Passagieren in China getestet.

AP/ICHPL IMAGINECHINA

5G-Geräte und -Frequenzen

Die nächsten 5G-Frequenzen werden im kommenden Jahr versteigert, die Mobilfunker werden schon im Jänner 2020 5G größer ausrollen. Derzeit gibt es übrigens noch kein echtes 5G, auch Endgeräte sind kaum verfügbar. Zu den großen Voraussetzungen von 5G gehört ein gutes Glasfasernetz, da die riesigen Datenvolumen vom Sender auch zu den Mobilfunkprovidern transportiert werden müssen. In entlegeneren Gegenden wird man hingegen auch mit hochgerüsteten Kupferleitungen auskommen. Derzeit sind etwa 96 Prozent Österreichs mit LTE bzw. 4G abgedeckt.

5G-Stand auf einer Messe

AP/SZILARD KOSZTICSAK

5G-Aktionsplan

"5G bringt hohe Bandbreiten, extrem kurze Reaktionszeiten und es wird eine drastische Vermehrung von Endgeräten in einer Zelle geben", sagt Alfred Ruzicka, Leiter der Stabstelle Informations- und Kommunikationsinfrastruktur im BMVIT.

Seit 2016 gibt es für Österreich einen 5G-Aktionsplan, an dem Alfred Ruzicka mitgearbeitet hat. Demnach sollen bis Ende 2020 fast flächendeckend 100mbit-Anschlüsse als Voraussetzung für das schnelle Mobilfunknetz verfügbar sein, bis Ende 2023 soll es 5G auf den Hauptverkehrsverbindungen geben und bis Ende 2025 in ganz Österreich: "Wir sind das vierte Land, das eine 5G-Strategie hat und sind weit voran mit den Testversuchen, wir sind ein Mobilfunk-Vorzeige-Land und haben gute Voraussetzungen für den 5G Bereich."

5G und Gesundheit

Alfred Ruzicka vom BMVIT erzählt auch, dass es bereits jede Menge parlamentarische Anfragen rund um 5G und Gesundheit gibt und sich auch viele Bürgerinnen und Bürger mit besorgten Schreiben an das Ministerium gewandt haben, viele fürchten sich vor verstärkter Strahlenbelastung und gesundheitlichen Problemen. Viele Bürgerinnen und Bürger vermischen in der Diskussion die Smartphone-Strahlung und die Strahlung von Sendemasten, sagt der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien.

Was wissen wir also über Mobilfunkfrequenzen? Auf der Seite des deutschen Krebsinformationsdienst heißt es: "Heute gilt als sicher: Weder hochfrequente, noch niederfrequente Felder sind stark genug, um Atome und Moleküle direkt zu verändern. Das schaffen nur die energiereicheren UV-Strahlen sowie Röntgen- und Gammastrahlen. Das heißt auch: Elektromagnetische Felder können die Erbinformation in Zellen nicht so schädigen, dass Krebs entsteht."

Das gilt laut dem deutschen Bundesamt für Strahlenschutz für die derzeitigen Mobilfunkfrequenzen und auch für die Frequenzbereiche, die 5G in Zukunft nutzen wird. Auch fast alle internationalen Expertengruppen gehen in ihren Berichten davon aus, dass unterhalb der empfohlenen Grenzwerte kein Risiko von diesen hochfrequenten Feldern ausgeht. Die Strahlenbelastung von 5G wird bestehende Grenzwerte nicht überschreiten, heißt es auch auf der Seite des BMVIT.

Handystrahlung und Krebs?

Aber warum werden Handystrahlen weiter im Zusammenhang mit Krebs diskutiert? So heißt es zum Beispiel weiter auf der Seite des deutschen Krebsinformationsdienstes: "Doch gibt es vielleicht indirekte Effekte, die das Krebsrisiko fördern könnten? Es ist weder gesichert, noch vollständig und endgültig widerlegt."

Die IARC, die internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO, hat die elektromagnetische Strahlung in die Kategorie 2B der krebserregenden Stoffe eingestuft. Was heißt diese Kategorie jetzt aber genau? Kate Guyton arbeitet bei der IARC und hat an diesen Einstufungen mitgearbeitet. Sie erklärt: "Gruppe 2B heißt, dass ein Stoff möglicherweise krebserregend ist für Menschen. Diese Kategorie wird typischerweise vergeben, wenn es begrenzte Hinweise gibt, dass der Stoff für Menschen krebserregend ist ODER wenn es hinreichende Anzeichen gibt in Tierversuchen ODER wenn der Stoff zentrale Merkmale von Krebserregern aufweist."

Was heißt das für die Benutzerinnen und Benutzer? Für Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien geht es hier um eine Gefährdungsanalyse: "Das bedeutet natürlich nicht, dass alle die mobil telefonieren sofort einen Tumor bekommen. Die Gefährdungsanalyse sagt: Ja, da müssen wir ein bisschen aufpassen."

Strahlung durch Smartphone am Ohr am größten

Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die größte Strahlenbelastung für Benutzer und Benutzerinnen durch Endgeräte verursacht werden. Also über das Smartphone, das man sich ans Ohr hält.

Hans-Peter Hutter vom Institut für Umweltmedizin der MedUni Wien erklärt: "Das Bundesamt für Strahlenschutz sagt, dass es offene Fragen gibt, deswegen gibt es auch einige simple Empfehlungen im Umgang mit dem Mobiltelefon, wo man sicher sein kann, dass man auf jeden Fall sein Risiko - wenn es eines gibt - reduziert."

Zu diesen Empfehlungen gehört unter anderem: das Telefon vor allem beim Rufaufbau nicht direkt an den Kopf halten und lieber nicht bei schlechtem Empfang telefonieren. Eine Freisprecheinrichtung benutzen, denn schon wenige Zentimeter Abstand zum Körper reduzieren die Strahlenbelastung.

5G und Handymasten

Zahlreiche besorgte Bürgerinnen und Bürger melden sich derzeit bei Stellen wie der Umweltmedizin oder dem Forum Mobilkommunikation, sie klagen über Kopfschmerzen, Konzentrations- oder Schlafstörungen. Kann das durch Handymasten ausgelöst werden? Es kommt auf die Stärke der elektromagnetischen Wellen an, sagt Hans Peter Hutter: "Üblicherweise sind die Werte rund um Basisstationen der Antennen, das wissen wir aus Messserien, sehr, sehr gering. Jenseits von jenen Werten wo wirklich diese Erscheinungen auftreten."

Bisher wurde keine Gesundheitsbeeinträchtigung durch Strahlung von Handymasten festgestellt. Es gibt in diesem Bereich aber kaum Studien. Mediziner wie Hans-Peter Hutter mahnen daher auch hier zur Vorsicht. Zum Beispiel könnte man etwa Handymasten so aufstellen, dass die Strahlenbelastung für die Anrainerinnen in der Nähe so gering wie möglich ist.

Service

Empfehlungen der Ärztekammer zum Umgang mit Mobiltelefonen