Ein Szenenbild von einem Mann und einer Frau vor dem Meer aus "Der Taucher"

EXTRAFILM/GÜNTER SCHWAIGER FILM

Von Günter Schwaiger

Gewalt an Frauen: "Der Taucher" im Kino

Am 25. November ist der internationale Tag gegen Gewalt gegen Frauen. Die Zahlen in Österreich sind erschreckend. Der in Spanien lebende Salzburger Filmemacher Günter Schwaiger erzählt in seinem Spielfilmdebüt "Der Taucher" von häuslicher Gewalt und wie die Kinder von Tätern und Opfern damit umgehen. In den Hauptrollen sind Franziska Weisz und Alex Brendemühl zu sehen.

Kulturjournal | 25 11 2019 | Filmemacher Günter Schwaiger im Gespräch

Benno Feichter

Morgenjournal | 25 11 2019

Benno Feichter

In Österreich ist jede fünfte Frau ab ihrem 15. Lebensjahr körperlicher und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt. Über 8.000 Betretungsverbote wurden im vergangenen Jahr verhängt und laut Kriminalstatistik gab es 2018 in Österreich 41 Frauenmorde - im EU-Vergleich sind Mordopfer in Österreich überdurchschnittlich oft weiblich.

Keine Frage der sozialen Zugehörigkeit

Gewalt gegen Frauen ist keine Frage der gesellschaftlichen Zugehörigkeit, betont Günter Schwaiger, der seinen Film auf Ibiza angesiedelt hat. Die Figuren in "Der Taucher" kommen aber aus Österreich: Paul ist ein erfolgreicher Musiker und Komponist, Irene eine selbstbewusste und selbstbestimmte Frau. Wenn sie seine Stimme am Telefon hört, bricht die Frau in Tränen aus, wenig später steht der Mann, der sie einst fast ermordet hätte, vor ihr.

In Spanien sagt die Gesellschaft: 'Der Mord geht uns alle an.'

Vergleicht man die Situation in beiden Ländern, so habe sich diese in Spanien, wo das gesellschaftliche Bewusstsein für das Thema ein ganz anderes sei, in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert, in Österreich hingegen verschlechtert, sagt Schwaiger: "Wenn in Spanien ein Mord passiert, dann ist das in den Schlagzeilen. Es gibt Kundgebungen in jedem kleinen Dorf, wenn es in einem Dorf passiert. Die Gesellschaft sagt: 'Es geht uns alle an, wir tun etwas gemeinsam'. Das ist in Österreich ganz anders. Hier wird jeder Mord immer noch zu sehr als Einzelfall gesehen, die Politik spricht es nicht aus und auch in der Presse gibt es viel zu wenig Bestimmtheit, die Dinge beim Namen zu nennen."

Auswirkung der Gewalt auf die nächste Generation

Langsam und fokussiert, mit wenigen Nebenfiguren, spinnt Schwaiger ein feines Netz aus Beziehungsfäden, auf die er die Gewalt projiziert. Zwischen Täter und Opfer, die jeweils ein Kind mit in die Partnerschaft gebracht haben. Zwischen der Vater-Sohn-, der Mutter-Tochter-Beziehung und schließlich auch zwischen den Kindern, die unter dem Eindruck der Gewalt erwachsen geworden sind. Während die junge Frau eine Form der kreativen Aufarbeitung der Gewalterfahrung findet, zerbricht der Sohn des Täters zunehmend daran.

Von der Dokumentation zur Fiktion

Schon 2013 hat Schwaiger mit "Martas Koffer" einen Dokumentarfilm zum Thema gedreht, in dem er ein Opfer häuslicher Gewalt in Spanien porträtierte und zugleich die Arbeit von Gewaltschutz- und Gewaltpräventionszentren zeigte. Der Schritt in die Fiktion habe ihm die Möglichkeit gegeben jetzt auch die Kinder stärker in den Fokus zu rücken, die im Dokumentarfilm aus Sicherheitsgründen nicht gezeigt wurden: "Wie geht die nächste Generation, oder wie muss die nächste Generation mit der Gewalterfahrung und dem Konflikt ihrer Eltern umgehen?" Andererseits wollte er aber auch den Weg einer Frau nachzuzeichnen, die den Kontakt zum Täter wieder aufnimmt, sagt Schwaiger: "Ich wollte zeigen wie komplex und schwierig dieser Schritt ist. Welche Manipulationsmechanismen da in Gang kommen, dass eine Frau zurückgeht und wie schnell eine Frau für diesen Schritt verurteilt wird, ohne dass man bedenkt, dass so viele Dinge davon abhängig sind: emotional, sozial, ökonomisch."

Günter Schwaiger zeigt weniger die Gewalt, die am Ende noch einmal eskalieren wird, als deren Konsequenzen. Und so leise er in "Der Taucher" erzählt, so vehement fordert er mehr Aufmerksamkeit für das Thema ein. Am 25. November ist Wien-Premiere von "Der Taucher". In den nächsten Wochen tourt Günter Schwaiger dann durch die Bundesländer. Im Anschluss an die Vorführungen sind jeweils Gespräche unter anderem mit Expert/innen aus Frauenhäusern, Gewaltpräventionszentren und Männerberatungsstellen geplant.

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