Buch des Monats

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Valerie Fritsch, "Herzklappen von Johnson & Johnson"

Der Roman "Herzklappen von Johnson & Johnson" von Valerie Fritsch ist das Ö1 Buch des Monats März.

Die Ausgangskonstellation in Valerie Fritschs drittem Roman ist nahezu genretypisch für den österreichischen Familienroman der vergangenen Jahrzehnte. Die Grazer Autorin entwickelt aber aus dem Stoff, der von Schuld und mangelnder Sühne handelt, einen Roman, der sich sowohl inhaltlich als auch sprachlich deutlich abhebt von anderen literarischen Reisen in die verbrecherische Vergangenheit der Väter und Großväter.

Ex libris | 23 02 2020 | Rezension von Carsten Otte

Es beginnt mit einem jungen Paar, einem kranken Kind und mit trostreichen Gesprächen mit der Großmutter, geht über in eine in die Gegenwart hineinreichende traumatische Vergangenheit, und endet in einer Reise, bei der sich das Vergangene in der Gegenwart aufzulösen beginnt. Statt ödes Familientheater gibt es das wilde und skurrile Leben im Hier und Jetzt. Die Leere weicht, am Ende steht ein Lachen.

Valerie Frisch hat mit "Herzklappen von Johnson & Johnson" einen Roman geschrieben, der gerade in seiner anspruchsvollen Formensprache überzeugt, der im kalten Prosafluss gekonnt kleine Wärmeinseln einbaut und damit an den wichtigen Stellen zu berühren und zu unterhalten vermag.

Service

Valerie Fritsch, "Herzklappen von Johnson & Johnson", Roman, Suhrkamp Verlag, 174 Seiten

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