Mann mit Brille winkt in einer Kathedrale

APA/AFP/PAU BARRENA

Autor Carlos Ruiz Zafon ist tot

Der wohl erfolgreichste spanische Schriftsteller der Gegenwart, Carlos Ruiz Zafón ("Der Schatten des Windes"), ist im Alter von 55 Jahren in Los Angeles gestorben. Er sei an Krebs erkrankt gewesen, meldete die Nachrichtenagentur Europapress unter Berufung auf seinen Verlag Planeta am Freitag.

"Heute ist ein sehr trauriger Tag für alle bei Planeta, die ihn kannten und mit ihm in den vergangenen 20 Jahren zusammengearbeitet und dabei eine Freundschaft geschlossen haben, die über das Berufliche weit hinausgeht", stand in einer Erklärung seines Verlags. "Aber durch seine Bücher wird er unter uns allen lebendig bleiben."

Zafon habe zwei Jahre lang gegen den Krebs gekämpft, berichtete die Zeitung "La Vanguardia". Nach ersten Symptomen in London 2018 habe er sich in seiner Wahlheimat Los Angeles behandeln lassen. Vor allem sein 2001 erschienenes Buch "La sombra del viento" ("Der Schatten des Windes") habe auch viele Menschen, die sonst weniger mit Büchern zu tun haben, zum Lesen gebracht, schrieb die Zeitung. Mit 15 Millionen verkauften Exemplaren avancierte der Roman aus dem Barcelona der 1940er- bis 1960er-Jahre nach "Don Quijote" zum meistverkauften spanischen Roman aller Zeiten.

Übersiedlung nach Amerika

Zafon wurde am 25. September 1964 in Barcelona geboren, wo er nach dem Besuch einer Jesuitenschule in einer Werbeagentur tätig war. 1994 ging er nach Los Angeles, wo er sich vollkommen auf das Schreiben konzentrierte. Neben seinen Romanen schrieb er auch Drehbücher und arbeitete als Journalist für die spanischen Zeitungen "El País" und "La Vanguardia".

1993 wurde er für "Der Fürst des Nebels" mit dem Jugendliteraturpreis Premio Edebé de Literatura Juvenil ausgezeichnet. Dank des damit verbunden Preisgeldes konnte er nach Los Angeles übersiedeln. Dort begann er die Arbeit am ersten Teil seiner Barcelona-Saga.

So wie ich mich als Autor entwickelt habe, sollte sich auch diese Handlung im Lauf der Jahre entwickeln.

Carlos Ruiz Zafón: "Ich hatte mir eine Handlung vorgenommen, von der ich wusste, dass ich Jahre brauchen würde, um sie zu erzählen. So wie ich mich als Autor entwickelt habe, sollte sich auch diese Handlung im Lauf der Jahre entwickeln." "Der Schatten des Windes" erschien 2001 (dt. 2003), erhielt 2005 den Barry Award in der Kategorie Bester Erstlingsroman.

"Der Schatten des Windes"

Auch im deutschsprachigen Raum wurde das in den ersten Jahrzehnten der Franco-Diktatur angesiedelte Buch zum Verkaufserfolg. Es wurde in 36 Sprachen übersetzt und trotz des verschachtelten Aufbaus und manchmal verwirrender Handlungsstränge ein Verkaufserfolg.

Die als Abenteuerroman für Erwachsene beschriebene Saga rund um einen geheimnisvollen Friedhof der vergessenen Bücher wuchs auf vier Bände an und wurde mit "Das Labyrinth der Lichter" (dt. 2017) abgeschlossen.

Auf den Spuren der Romanhelden Daniel Sempere und Fermin Romero de Torres sind in den vergangenen Jahren Heerscharen von Zafon-Fans durch die Altstadt von Barcelona gepilgert. Es gibt sogar geführte Touren zu den Schauplätzen von "La sombra del viento".

Text: APA, Red.

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