Albumcover

ISLAND RECORDS

Neues Album von The Streets

Mike Skinner heißt der Mann hinter dem Bandprojekt The Streets, das mit Songs wie "Dry Your Eyes" weltweit bekannt wurde. Der in Birmingham geborene Rapper, Songwriter und Produzent ist mittlerweile auch als Filmemacher aktiv. Aktuell arbeitet er an einem eigenen "The Streets"-Film. Fünf Alben veröffentlichte Skinner in den Nullerjahren bevor er 2011 das Ende der Band bekanntgab. Sieben Jahre und etliche Nebenprojekte später, kehrte er dann mit einer Greatest-Hits-Tour wieder zurück. Mit "None of Us Are Getting Out of This Life Alive" legt er nun erstmals wieder ein neues Album vor.

Morgenjournal | 13 07 2020

David Baldinger

Albumcover von "None of Us Are Getting Out of This Life Alive", The Streets, Kette und Feuerzeug, Ohrform

ISLAND RECORDS

Anfang der 2000er war Mike Skinner der Idealtypus des aufgeweckten, biertrinkenden britischen Lads, jenes breitbeinig daher stolzierenden Typus jungen Mannes, der sein Leben zwischen Pub, Club und der Jagd nach Vergnügen bestritt. Mit launigen bis geistreichen Reimen in breitem Dialekt sang Skinner nicht nur seinen gleichaltrigen Landsleuten aus der Seele.

Der Fast-Food-Verkäufer als Poet

20 Jahre später tischt der ehemalige Fast-Food-Verkäufer wieder kleine Epen aus dem britischen Alltag auf - nur dass diese nicht mehr im Rausch der Jugend angesiedelt sind, sondern von den Abenteuern eines 40-jährigen Stars und Teilzeit-DJs erzählen. An seine 30er erinnert sich Skinner ungern. "Ehrlich gesagt, war das für mich keine so großartige Zeit. In Wahrheit habe ich mich von meinen 20ern erholt, muss ich eingestehen. Im Nachhinein betrachtet, ging es darum, herauszufinden, was ich machen wollte."

Wenige Monate nach seinem 40. Geburtstag scheint er damit nun durch und bereit zu sein, mit der nachrückenden Musikergeneration um die Häuser zu ziehen. Mit Kevin Parker etwa von der Band Tame Impala bei "Call My Phone Thinking I’m Doing Nothing Better", der ersten Single-Auskopplung aus dem neuen Album.

Ein Leben auf WhatsApp

Immer wieder taucht das Mobiltelefon in diesen Songs auf. Er wäre gern möglichst spezifisch, sagt Skinner dann. Um konkrete Eindrücke heraufzubeschwören. Außerdem, das moderne Leben finde eben bei WhatsApp oder Instagram statt, meint Skinner. "Wenn wir ehrlich sind, dann finden sich die Geschichte heutzutage bei Instagram und WhatsApp. Ich glaube, mir ging es damit auch um Ehrlichkeit."

Mike Skinner ist bekannt dafür, den britischen Alltag in all seiner banalen Trostlosigkeit in griffige Bilder zu verpacken. Ray Davies von den Kinks, ein anderer großer Chronist des Königreiches, wohne nicht weit von ihm weg, erzählt Skinner, der sich aber keiner besonderen Tradition verpflichtet fühlt.

DJ Kicks als Text-Spender

Zwei bis dreimal pro Woche war Skinner in den vergangenen Jahren als DJ im Einsatz - diese Berührungspunkte mit der aktuellen Jugendkultur und ihrem Sound hört man. Auch die Texte wurden von den nächtlichen Expeditionen inspiriert. "Da sieht man schon viele Sachen. Du bist ja nie weit weg von den Leuten. Besser gesagt, Du kannst ihnen einfach nicht entkommen. In der Nacht tragen sich in Clubs schon besondere Geschichten zu."

Seine Rotzigkeit hat sich Skinner ebenfalls bewahrt - ihm doch egal wie das neue Album ankomme. "Mir ist das egal, ganz ehrlich. Es ist mir egal. Wenn die Leute meine neuen Sachen nicht mögen, dann kann ich immer noch meine alten singen."

2020 sind die Beats verschrobener, die Sounds experimenteller und gute Mike-Skinner-Zeilen treffen immer noch ins Schwarze. Viel hat sich nicht geändert bei den Streets.

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