Ausrine Stundyte als Elektra

SF BERND UHLIG

"Elektra" von den Salzburger Festspielen

Die Premiere der Richard-Strauss-Oper in Ö1 - mit Tanja Ariane Baumgartner (Klytämnestra), Ausrine Stundyte (Elektra), Asmik Grigorian (Chrysothemis), Michael Laurenz (Aegisth), Derek Welton (Orest) u.a. Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor, Wiener Philharmoniker, Dirigent: Franz Welser-Möst.

1922, im dritten Jahr der Salzburger Festspiele, wurden erstmals Opern gespielt, damals ausschließlich Werke von Wolfgang Amadeus Mozart - und er sollte auch der meistgespielte Opernkomponist in der 100-jährigen Geschichte des Festivals bleiben. Direkt gefolgt von Richard Strauss: In 27 Salzburger Festspielsommern stand "Der Rosenkavalier" auf dem Programm, in elf Jahren wurde "Ariadne auf Naxos" geboten, in acht Jahren "Elektra" und in sieben Jahren "Die Frau ohne Schatten".

Kulturjournal | 31 07 2020 | Franz Welser-Möst im Gespräch:
"Ausrine Stundyte verkörpert die Elektra mit jeder Faser ihres Seins - umwerfend ..."

Sebastian Fleischer

Insgesamt zehn Opern von Strauss sind beim Festival an der Salzach über die Bühne gegangen, auch eher selten gespielte Werke wie "Die schweigsame Frau" oder "Die ägyptische Helena" - und zumindest eine Richard-Strauss-Uraufführung ist auch in der Festspielchronik verzeichnet: "Die Liebe der Danae" ist 1944 noch zur Generalprobe in Salzburg gekommen, die Uraufführung konnte kriegsbedingt aber nicht stattfinden, sie wurde erst 1952, drei Jahre nach dem Tod des Komponisten, nachgeholt.

Schwarz-weiße Projektion über rot-schwarzer Bühne

"Elektra" 2020 in der Regie von Krzysztof Warlikowski, Bühne und Kostüne von Małgorzata Szczęśniak,u.a. mit Tanja Ariane Baumgartner (Klytämnestra, li.) und Ausrine Stundyte (Elektra, re. im Bild)

APA/BARBARA GINDL

Mittagsjournal | 28 07 2020 | Vorbericht

Sebastian Fleischer

Tatsache ist aber, dass vor allem einige der von Strauss und Hugo von Hofmannsthal gemeinsam geschaffenen Opern zu den meistaufgeführten des Festivals gehören.

"Als ich Hofmannsthals geniale Dichtung in Berlin sah, erkannte ich wohl den glänzenden Operntext" Richard Strauss

Um 1900 hatten sich der damals 36-jährige, als Dirigent und Komponist bereits international geschätzte Musiker und der um zehn Jahre jüngere, in literarisch interessierten Zirkeln schon viel beachtete Dichter kennengelernt. In Berlin waren die beiden Männer zusammengetroffen, doch der Entwurf zu einem Ballett, den Hofmannsthal bald darauf Richard Strauss anbot, konnte den Komponisten nicht begeistern. Ungefähr fünf Jahre später sah Strauss Hofmannsthals Drama "Elektra" in Berlin - es muss eine großartige Aufführung unter der Regie des in jener Zeit aufstrebenden Max Reinhardt gewesen sein, und Strauss zog das Drama sogleich für eine Opernfassung in Betracht.

Nun war plötzlich der Komponist der Drängende: Er ahnte, in dem Wiener Dichter den idealen Librettisten gefunden zu haben. Zuerst wurde noch über andere Themen gesprochen - von einer nie realisierten Semiramis-Oper war immer wieder die Rede; Strauss hatte aber vor allem Bedenken, auf seine erfolgreiche "Salome" das Elektra-Thema folgen zu lassen, der Dichter konnte jedoch alle Einwände zerstreuen. So ist als erste gemeinsame Arbeit von Strauss und Hofmannsthal die monumentale "Elektra" entstanden, fünf weitere Opern und ein Ballett sollten folgen.

Violette Szene mit blauem Sofa und Sessel, eine Frau im weißen Kleid, drei Personen in Schwarz

Ausrine Stundyte (Elektra), Ensemble

APA/BARBARA GINDL

1934 ist "Elektra" erstmals auf den Spielplänen der Salzburger Festspiele erschienen; die heurige Neuproduktion unter der musikalischen Leitung von Franz Welser-Möst ist das einzige Opernvorhaben, das vom ursprünglichen Jubiläumsprogramm auch in das coronabedingt verkürzte und reduzierte Angebot übernommen werden konnte.

Service

ORF 2 sendet einen Mitschnitt von "Elektra" am 10. August um 22:30 Uhr.

Salzburger Festspiele - 1. bis 30. August 2020

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