Brad Mehldau

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Brad Mehldau - Von Bach bis Radiohead

Der in Jacksonville, Florida, geborene Pianist Bradford Alexander Mehldau feiert am 23. August seinen 50. Geburtstag. Seit den 1990er Jahren ist Mehldau wohl der weltweit einflussreichste Jazzpianist.

Im Alter von sechs Jahren bekommt er zum ersten Mal Klavierunterricht. Er studiert Klavier und Komposition am Berklee College of Music und an der School of Jazz and Contemporary Music in New York. Als wichtigsten Lehrer während seiner Studienzeit bezeichnet Mehldau seinen Tastenkollegen Fred Hersch. Hersch wiederum ist mit seinem impressionistischen Stil und seinem Pendeln zwischen Jazz und Klassik stark vom Pianisten Bill Evans beeinflusst.

Joshua Redman Quartett

Größere Aufmerksamkeit erlangt Brad Mehldau als Mitglied des Quartetts des Tenorsaxofonisten Joshua Redman. Dieser Vierer mit der "Dreamteam"-Rhythmusgruppe, dem Bassisten Christian McBride und dem Schlagzeuger Brian Blade, ist wohl eine der besten Mainstream-Jazz-Formationen dieser Dekade. Man sehe sich ihren Auftritt beim Newport Jazz Festival im Jahr 1993 an, der auf YouTube zu finden ist. Die jungen Löwen musizieren so unbekümmert (und gleichzeitig so souverän) miteinander, dass es eine helle Freude ist, ihnen zuzuhören.

Was noch auffällt: wie derangiert der damals 22-jährige Mehldau im Vergleich zu seinen alerten Musikerkollegen hier aussieht. Von 1990 bis 1998 ist der Pianist heroinabhängig. Mehldau hat dazu in einem Interview gesagt: "Als ich mit dem Heroin aufgehört habe, kam auf einmal eine Fülle an Kreativität hervor, die meine Sucht vorher zurückgehalten hatte."

The Art of the Trio mit Grenadier & Rossy

Zum Star wird Mehldau schon mit seinem ersten Album im Trio zusammen mit dem Bassisten Larry Grenadier und dem Schlagzeuger Jorge Rossy. Die nicht ganz unprätenziös, aber auch mit Fug und Recht so betitelte Serie "The Art of the Trio" zeigt neue Wege für die Königsdisziplin Pianotrio auf. Vor allem, was die Integration und Adaptation von jazzferner Pop- und Rockmusik wie zum Beispiel Songs der englischen Alternative-Band Radiohead betrifft: Unzählige Nachahmer/innen haben sich von Mehldaus originellen und stimmigen Coverversionen inspirieren lassen. Wobei es eigentlich wenig verwunderlich ist, dass jemand, der im selben Alter wie die Musiker von Radiohead ist, deren Musik auf ihre Verwertbarkeit im Jazzkontext abklopft. Bis in die 1960er Jahre hinein haben das Jazzmusiker/innen gemacht, in den 1970er und 1980er Jahren ist diese Auseinandersetzung mit aktueller Popmusik ein wenig in den Hintergrund getreten.

Pianistische Husarenstücke

Dann gibt es auch noch pianistische Husarenstücke wie eine Interpretation des bereits ziemlich abgespielten Jazzstandards "All the Things You Are" im 7/4-Takt mit einer Transposition in eine andere Tonart mitten im Solo. Bei Mehldau klingt das alles ziemlich mühelos. Er ist ein souveräner Alleskönner mit brillanter Technik und sehr kultiviertem Anschlag, dessen Liebe zu deutscher Romantik sich auch in Kompositionen wie "Sehnsucht" oder "Am Zauberberg" widerspiegelt.

Neben der zumeist elegischen Grundhaltung seines Musizierens ist insbesondere seine Fähigkeit zur zweihändigen kontrapunktischen Improvisation mit unabhängig geführten Stimmen für ihn charakteristisch. Diese hat ihn veranlasst, im Jahr 2018 das Soloalbum »After Bach« aufzunehmen, das von Johann Sebastian Bachs "Wohltemperiertem Klavier" beeinflusst ist. Orchesterwerke und Kollaborationen mit klassischen Musikerinnen und Musikern sind ebenfalls in Mehldaus Oeuvre zu finden. Mir persönlich gefällt er noch immer am besten, wenn er "einfache" Musik spielt und seine frühen Vorbilder McCoy Tyner und Wynton Kelly durchklingen. Brad kann ziemlich funky sein, wenn ihm danach ist.

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