Roboterhand

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Mensch-Maschine-Interaktion bei Alpbacher Technologiegesprächen

Das Smartphone als verlängertes Gehirn, das Auto als Haustier oder Familienmitglied. Damit wir Technologie gerne nutzen, müssen wir uns mit ihr wohlfühlen, sagt der AIT- und Universität Salzburg Forscher Manfred Tscheligi bei den Alpbacher Technologiegesprächen.

Was nicht am Smartphone gespeichert oder notiert ist, gerät leicht in Vergessenheit. Für viele von uns ist das Smartphone so etwas wie ein ausgelagertes Gehirn. Diese Vermenschlichung von Technik hat schon eine lange Tradition, sagt Gabriele Kotsis. Sie ist Vize-Rektorin für Forschung an der JKU Linz und seit Juli Präsidentin des weltweiten Computerverbands ACM.

Schon bevor Fahrzeuge über Navis mit uns kommuniziert haben, wurden Autos vermenschlicht: „Vielen Menschen sagt man ja nach, dass sie ihr Automobil mehr hegen und pflegen als ihre Mitmenschen. Aber jeder von uns hatte wohl schon einen Diskurs mit seinem Navi, es kommentiert oder kritisiert“, schmunzelt Gabriele Kotsis.

"Ein Gerät, das mich gut kennt, mir wohlwollend gesonnen ist und daher gute Empfehlungen abgibt“

Sich mit einem Computerprogramm zu unterhalten, hat schon in den 1960er Jahren der Berliner Wissenschaftler Joseph Weizenbaum mit „Eliza“ versucht. Und auch die Vision von digitalen Gefährtinnen gab es schon vor Siri und Co. Der MIT-Informatiker Nicholas Negroponte hat in den 1990er Jahren eine „digital sister in law“ skizziert - eine Art Assistentin, die uns begleitet: „Ein Gerät, das mich gut kennt, mir wohlwollend gesonnen ist und daher gute Empfehlungen abgibt“, beschreibt Gabriele Kotsis.

Solche digitalen Begleiter könnten künftig unseren Alltag ergänzen, glaubt die Informatikerin. Für Kotsis geht es weniger darum, menschliche Ebenbilder zu schaffen, sondern um Human-Maschine-Teaming. Das heißt, sich mit der Maschine die Arbeit aufzuteilen. Zum Beispiel im industriellen Produktionsbereich, in dem es Roboter und menschliche Arbeiter braucht. Gabriele Kotsis nennt das JKU-Forschungszentrum „Pro 2 Future“ als Beispiel: „Die Maschine könnte in Zukunft in der Schulungsphase einem Lehrling dabei helfen, was er verbessern könnte. Umgekehrt könnte ein erfahrener Arbeiter der Maschine sagen, was sie wiederum besser machen könnte.“

„Wir müssen uns mit Technologie wohlfühlen“

Menschen- und Roboterhand

AFP/GERARD JULIEN

Ob wir gerne mit Technologie kommunizieren, arbeiten oder uns in ein selbstfahrendes Auto setzen, das sei von mehreren Faktoren abhängig, sagt Manfred Tscheligi. Manfred Tscheligi leitet das Center for Technology Experience am AIT und die Arbeitsgruppe Human Computer Interaction an der Universität Salzburg. Drei wichtige Faktoren sind technische und gefühlte Sicherheit, Vertrauen und eine positive Feedback- bzw. Fehlerkultur - also Faktoren, die auch menschliche Interaktionen angenehm machen.

Wenn sich Nutzerinnen und Nutzer künftig also in ein autonomes Auto setzen, müssen sie sich dabei wohlfühlen, glaubt Manfred Tscheligi. Dazu gehört für ihn auch, in etwa Bescheid zu wissen, wie das System, das uns Nutzer umgibt, funktioniert und ob man sich auf das System verlassen kann: „Und da widerspreche ich mit meiner Hypothese jetzt manchen Technik-Entwicklern: Desto mehr ich preisgebe und erkläre, was das System macht und somit für Transparenz sorge, desto höher ist das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer in die Technik.“

"Wenn Roboter zugeben, dass sie Fehler gemacht haben, steigt das Vertrauen und die Akzeptanz."

Auch Studien der Universität Salzburg zur Mensch-Roboter-Interaktion bekräftigen: Merken Nutzerinnen und Nutzer, dass Irren nicht nur menschlich, sondern auch technisch möglich ist, werden Maschinen im Alltag eher akzeptiert: „Wenn Roboter etwa zugeben, dass sie Fehler gemacht haben, steigt das Vertrauen und die Akzeptanz bei den Anwendern“, sagt Tscheligi. Und auch das ist ja durchwegs menschlich.

Gestaltung: Julia Gindl

Hinweis

Die Alpbacher Technologiegespräche werden vom Austrian Institute of Technology AIT und Ö1 im Rahmen des Europäischen Forum Alpbach veranstaltet.

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