Candice Carty-Williams

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"Queenie" - Frech und erfolgreich

Im Juni hat die Engländerin Candice Carty-Williams als erste Schwarze den British Book Award gewonnen. Als gerade 31-jährige Debütantin. Das Feuilleton nannte die Hauptfigur ihres gleichnamigen Romans "Queenie" wegen deren Selbstironie die "schwarze Bridget Jones", doch hat Queenie an weit mehr Fronten zu kämpfen als ihre verfilmte Vorgängerin.

Queenie ist Mitte Zwanzig, und hat gerade eine Trennung zu verdauen. Das wirft sie nicht nur emotional aus der Bahn, sondern zwingt sie auch zur Wohnungssuche.

Am völlig überteuerten Londoner Immobilienmarkt hat es zwar jeder schwer, für eine junge schwarze Frau wird die Wohnungssuche jedoch zum Spießrutenlauf. Candice Carty-Williams sagt: "Man muss so viele Dinge ganz praktisch nehmen, wenn man in einem Körper, der dermaßen politisiert ist, durch die Stadt geht. Das ist aufreibend."

Die Nadelstiche des Alltagsrassismus

Mit ihrer Queenie hat Candice Carty-Williams eine Figur geschaffen, die einen sofort mitnimmt. Sensibel ist sie, ohne weinerlich zu sein, und mit ihrem frechen Humor hat sie ein probates Mittel gefunden, den Alltagsrassismen zu begegnen, mit denen sie fortwährend konfrontiert ist.

Genau wie ihre Autorin Candice Carty-Williams: "Jede einzelne dieser Mikroaggressionen nehmen dir einen Teil deines Menschseins. Andauernd passiert es mir, dass man sich in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht neben mich setzt oder dass sich Passanten, wegdrehen, wenn ich ihnen entgegenkomme."

Das karibische London

Queenie ist, genau wie Carty-Williams, karibischen Ursprungs und im Südlondoner Stadtteil Brixton aufgewachsen, im Viertel ihrer Leute, wie es im Roman einmal heißt. Dort findet eine große "Black Lives Matter"-Demonstration statt, der sich Queenie anschließt, doch ansonsten hat die Gentrifizierung den Bezirk schon voll erfasst. Die Obst- und Gemüsestände sind verschwunden und der Bäcker, bei dem Queenie mit ihrer Großmutter früher immer Brot geholt hat, ist einer veganen Bar gewichen.

Wann war dieses Viertel, das ich so gut gekannt hatte wie kein anderes, der einzige Ort, an dem ich je das Gefühl gehabt hatte, ich selbst sein zu können, der Platz, wo so viele aussahen wie ich und redeten wie meine Familie, wann war dieses Brixton verschwunden?

Das Buchcover von "Queenie".

AUFBAU VERLAG

Die Gentrifizierung im Buchregal

Dieses Zurückdrängen der farbigen Bevölkerung, diese Ghettoisierung, die in "Queenie" beschrieben wird, setzt sich aber leider fort in den Buchhandlungen, so Candice Carty-Williams, die vor ihrem Durchbruch als Schriftstellerin in der Verlagsbranche tätig war: "Es fehlten nicht nur die Romane von farbigen Autoren, sondern auch die Farbigen in den Romanen. Es gibt unglaubliche Geschichten von schwarzen Autorinnen, aber weder schlagen sie sich finanziell nieder, noch haben sie eine größere Breitenwirkung."

Das Erscheinen von "Queenie" und der Gewinn des British Book Award könnte jetzt der Startschuss zu einer "Black Writers Matter"-Initiative werden, die man auch hierzulande unterstützen kann, denn der spritzig-geistreiche Roman von Candice Carty-Williams ist dieser Tage auf Deutsch herausgekommen.

Service

Candice Carty-Williams, "Queenie", Roman, aus dem Englischen übersetzt von Henriette Zeltner-Shane, Aufbau Verlag

Candice Carty-Williams

Gestaltung

  • Wolfgang Popp

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