Malcolm Young

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AC/DC - 40 Jahre "Back in Black"

Was hat eines der erfolgreichsten Alben der Popgeschichte mit etwa 50 Millionen verkauften Einheiten denn in den "Ö1 Spielräumen" verloren? Nun, "Back in Black" ist nicht nur populär, sondern auch nahe an einem perfekten Album, unabhängig von der musikalischen Stilistik.

"Fest gemauert in der Erden-Steht die Form aus Lehm gebrannt.
Heute muss die Glocke werden! - Frisch, Gesellen, seid zur Hand!"

"Die Glocke" von Friedrich Schiller, ein Klassiker der deutschen Lyrik wird hier ins Spiel gebracht, um einen Klassiker der Rockgeschichte im wahren Sinne des Wortes einzuläuten:

"Hells Bells", die Eröffnungsnummer des Album "Back in Black" der australischen Hardrockband AC/DC. Am 25.Juli 1980 wurde dieses Album veröffentlicht, es feiert also sein 40-jähriges Jubiläum.

Legendäre Glockenschläge.

Die Glockenschläge am Anfang dieser epochalen Eröffnungsnummer sind bis heute ein Highlight bei jedem AC/DC Konzert.

Auf dem Album "Back in Black" sollte das Gebimmel des War Memorial Campanile in Loughborough/Lestershire für den Song verwendet werden, aber dort flatterten die Tauben so laut, dass die Aufnahmen nicht zu gebrauchen waren. Also ließ die Band extra eine massive Bronzeglocke gießen, welche dann auch auf die Welttour mitgenommen wurde.

Der doch arg misogyne Song "What do you do for your money" auf "Back in Black" sollte besser unter den Tisch gekehrt werden. So einen Text hätte Bon Scott, der Vorgänger von Brian Johnson wahrscheinlich mit seinem herben Charme noch eher unpeinlich über die Rampe bringen können.

"Givin' the dog a bone" rockt in den Strophen in bester Led-Zeppelin Tradition dahin. Nur, dass Brian Johnson eine andere Stimmfarbe als der Led Zeppelin Sänger Robert Plant hat. Johnson´s gepresste Stimme erinnert bisweilen an quietschende Autoreifen, und das ist keineswegs abwertend gemeint. Die Härte der Musik von AC/DC liegt weniger an den doch recht moderat verzerrten E-Gitarren begründet, sondern an der Schmirgelpapierstimme von Brian Johnson, welche erstaunlich sicher intoniert wird.

Die Schmirgelpapierstimme von Brian Johnson.

Brian Johnson

Brian Johnson

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Auch bei der Nummer "Let me put my love into you" gibt es wieder einen gewissen Led Zeppelin Einfluss. Und doch ist die Nummer durch und durch AC/DC. Es ist das Schnörkellose, das diese Band auszeichnet, nicht zuletzt vor allem in der Schlagzeugbegleitung von Phil Rudd. Rudd, der übrigens das einzige AC/DC Mitglied ist, das tatsächlich in Australien geboren ist, spielt relativ einfache Parts, aber die Stabilität und der Groove in seinem sind einfach außergewöhnlich.

Das ist eben nicht nur Rock, sondern auch Roll, wie Rolling Stones Gitarrist Keith Richards sagen würde. Es gibt immer ein ganz subtiles Swinggefühl in seinem Spiel. Zwei Jahre nach den Aufnahmen zu "Back in Black" verlässt Rudd im Streit die Band, um etwa zehn Jahre später wieder an Bord zu kommen. Begründung der Band: Sie hätten seinen Groove vermisst.

Eine Band, die optisch so "weiß" wirkt, hat viele Elemente schwarzer Musik wie Groove und Swing in eingängige Songs verpackt, die fast jede und jeden zum Tanzen bringen. Welche Nummer demonstriert das so eindrücklich wie der Titeltrack: Das eröffnende viertaktige Gitarren-Riff, welches dem Gitarristen Malcolm Young schon längere Zeit vor den Aufnahmen zu "Back in Black" eingefallen war, ist ein perfektes Beispiel dafür.

Drei simple Durakkorde.

Drei simple Durakkorde werden mit einem lässigen Blueslauf verbunden, um dann im vieren Takt mit einem völlig unerwarteten synkopischen Riff, welches man eher bei Funkmusik vermuten würde abgeschlossen zu werden.

Viele Rockfans sprechen gerne von dem bei Konzerten in einer Schuluniform herumwirbelnden Angus Young, der natürlich wunderbar melodisch strukturierte Soli spielt. Angus hat allerdings seinen älteren Bruder, der 2017 verstorben ist, als Rhythmusgitarristen und hauptamtlichen Riffschmied als das eigentliche Herz der Band bezeichnet.

You shook me all night long“ ist vielleicht das beste Rolling Stones Lied, das deren Gitarrist Keith Richards nicht geschrieben hat. Dieses "Honky tonk"-Feeling am Anfang hätten die Stones jedenfalls auch nicht besser hingekriegt. Der Song enthält die wunderbar lakonische Zeile: "She told me to come but I was already there. You shook me all night long" war eine der Singleauskopplungen des "Back in Black"-Albums.

"She told me to come but I was already there"

Die Rabauken von AC/DC sind nicht als Sensibelchen bekannt: Ein Lied, unmittelbar nachdem der vorige Leadsänger Bon Scott an einer akuten Alkoholvergiftung gestorben ist, mit dem Titel "Have a drink on me" zu schreiben, wirkt zuerst etwas pietätlos. Aber Bon Scott hätte wahrscheinlich darüber gelacht. Vom Sauflied "Have a drink on me" geht es schnurstracks weiter mit dem Party und Rauflied "Shake a leg", welches so etwas für eine Blaupause für viele Glam-Metalbands der 80er Jahre wie Motley Crue gewesen ist.

Der letzte Song auf einem fast makellosen Album heißt "Rock 'n' roll ain't noise pollution" und ist für AC/DC Verhältnisse fast so etwas wie ein gemütvoller Rausschmeißer. Angeblich hatte Brian Johnsons Vorgänger Bon Scott bereits diesen Satz geprägt, als er wegen nächtlicher Ruhestörung häufiger Probleme mit seinen Nachbarn bekommen hatte.

"To me it makes good, good sense."

Was bisher noch gar nicht gelobt worden ist. Der fantastische Klang des Albums "Back in Black", welcher definitiv den Test der Zeit bestanden hat. Dafür ist zu einem großen Teil der aus Südafrika stammende Produzent Robert "Mutt" Läng. Der 1948 geborene Läng gilt seit den späten 1970er Jahren als der einer der wichtigsten Produzenten der Rockgeschichte.

"Rock 'n' roll's just Rock 'n' Roll", sagt Brian am Schluss der finalen Nummer von "Back in Black". Oder: It's only Rock 'n' Roll but I like it.

Gestaltung