Philippe Jordan

APA/GEORG HOCHMUTH

Stasstsopern-Musikchef

Philippe Jordan im Gespräch

Erstmals in seiner Musikdirektion der Wiener Staatsoper leitete der Schweizer Dirigent Philippe Jordan die Wiener Philharmoniker auch in einem Symphoniekonzert. Im Gespräch mit Sebastian Fleischer spricht er über die schnelle Arbeitsweise des Orchesters und seine ersten Monate im Haus am Ring.

Viele internationale Spitzenorchester befinden sich angesichts der Corona-Krise seit Monaten in der Zwangspause. Das New York Philharmonic etwa hat schon im Herbst, ebenso wie die Met, die komplette Saison abgesagt. Die Wiener Philharmoniker hingegen hatten schon im vergangenen Frühjahr durch eine intensive Teststrategie alles daran gesetzt, wieder spielen zu können. In der Folge bestritt das Orchester in voller Besetzung die Salzburger Festspiele mit seinem Opern- und Konzertprogramm.

Wir sind kein Karussell, das man aus- und einschalten kann

Auch die traditionellen Philharmonischen, also die Abonnementkonzerte im Wiener Musikverein, finden in dieser Saison statt - wenn auch bis auf weiteres wieder ohne Publikum. Nur wenige Medienvertreterinnen und -vertreter waren dabei, als Philippe Jordan am Sonntag ans Pult der Wiener Philharmoniker trat.

Der Schweizer Dirigent ist im Herbst als Musikdirektor der Wiener Staatsoper angetreten und hat nun erstmals in dieser Amtszeit auch ein symphonisches Konzert des Orchesters geleitet. Am Programm stand Arnold Schönbergs "Verklärte Nacht" in der Fassung für Streichorchester sowie Richard Strauss‘ "Alpensymphonie".

Aus dem Wiener Musikvererein

Die Wiener Philharmoniker, Dirigent: Philippe Jordan.
Auf dem Programm standen: Arnold Schönberg, "Verklärte Nacht" op. 4 und Richard Strauss, "Eine Alpensymphonie" op. 64

Systemrelevante Kultur

Ebenfalls mit einem Richard-Strauss-Programm hatte sich Jordan letzten Sommer von "seinen" Wiener Symphonikern, die er seit 2014 geleitet hatte, verabschiedet. Navigiert man mit den Philharmonikern anders durch Strauss als mit den Symphonikern? "Natürlich ist dieses Orchester anders", sagt Philippe Jordan. "Ich staune einfach, wie schnell die Philharmoniker arbeiten, was die schon in den Proben alles anbieten - vor allem in diesem Repertoire: Kein Orchester der Welt kann Strauss so gut spielen wie die Wiener Philharmoniker."

Während die Matinee im Gange war, hat die Regierung die Verlängerung des Lockdowns verkündet. Mindestens bis Anfang März bleiben die Theater und Konzerthallen geschlossen, Mitte Februar soll über eine etwaige Öffnung evaluiert werden. "Ich beklage mich über diese Salamitaktik", sagt Philippe Jordan. "Einerseits ist das sehr zermürbend. Andererseits muss man schauen, dass man seine Mission wahrnehmen kann. Ich glaube, viele Menschen haben gemerkt, dass Kultur doch auf irgendeine Weise systemrelevant ist. Wie kam man durch den ersten Lockdown? Bücher lesen, Filme schauen, Streamings verfolgen."

"Man muss die Premieren am Leben halten"

Lange nicht spielen zu können, sei darüber hinaus schädlich für die Qualität, so der Dirigent weiter. "Ein Orchester, ein Chor, ein Ballett, ein Sängerensemble muss unterhalten werden. Wir sind kein Karussell, das man abschaltet und dann sieben Monate später wieder einschaltet, und es funktioniert." In Paris habe ein Erster Solotänzer acht Kilo an Muskelmasse verloren, berichtet Philippe Jordan.

Die Premieren, die nicht planmäßig aufgeführt werden können, müssten am Leben gehalten werden. Denn wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder am Programm stehen, zeitgleich mit den dann angesetzten Neuproduktionen, komme man mit dem Proben nicht mehr nach.

"Nabucco" und "Carmen" im TV

In Kooperation mit dem ORF werden seit Dezember Höhepunkte des Spielplans für das TV-Publikum aufgezeichnet und auf der Streamingplattform Fidelio sowie - zeitversetzt - auf ORF III gezeigt. Diesen Freitag ist Verdis "Nabucco" mit Plácido Domingo in der Titelrolle an der Reihe, als nächste Premiere wird Anfang Februar "Carmen" in der Inszenierung von Calixto Bieito zu erleben sein.

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