Teatro Massimo

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"Il crepuscolo dei sogni"

Visionäres im Opernstream aus Palermo

Das Teatro Massimo im sizilianischen Palermo wartet zu Saisonbeginn mit Ausgefallenem auf: einer Oper, die sich aus musikalischen Bestandteilen anderer Opern zusammensetzt. Und die versucht, unsere Gefühle während der Pandemie einzufangen - "Il crepuscolo dei sogni", die Dämmerung der Träume.

Auf den Bühnen der italienischen Opernhäuser ist es derzeit meist still. Aber einige Häuser arbeiten weiter: Ohne Zuschauer und unter Einhaltung strenger Auflagen liefern sie live oder zeitversetzt ausgestrahlte Konzerte und Operninszenierungen.

Musik aus Opern von Henry Purcell, Verdi, Monteverdi, von Richard Strauß und Rossini, von Boito und anderen Komponisten aus über 200 Jahren Musikgeschichte. Eine sogenannte Pasticcio-Oper. Auf der Bühne und im Parkett singen der Sopran Carmen Giannattasio, der Bariton Markus Werba und der Bass Alexandros Stavrakakis. Es dirigiert Omer Meir Wellber und die Regie hat Johannes Erath inne. Die neue Saison des Palermitaner Teatro Massimo wird online mit einer ganz neuen Form von Musiktheater eröffnet.

Eine Opernvision - ohne eine auf den ersten Blick konkrete Handlung, erklärt Regisseur Johannes Erath: "Aber es gibt natürlich einen roten Faden. Nicht im narrativen Sinn, im erzählerischen, sondern das ist mehr eine emotionale Reise, wie eine Achterbahn von Emotionen."

Dämmerung zu einem neuen Tag

"Il crepuscolo dei sogni", Dämmerung der Träume, bedeutet für die beiden Autoren des Werkes Erath und Meir Wellber eine Anspielung auf unsere arg eingeschränkten Lebensrealitäten während der Pandemie.

Zentralfigur ist Violetta aus Verdis "La Traviata": Sie stirbt ja einer Lungenkrankheit. Die Musik aus dieser Oper ist der einzige direkte Verweis auf die aktuelle Pandemie. Alle anderen Musikstücke können mit Blick auf das vorläufige Ende unserer gewohnten Lebensrealitäten und auf einen hoffentlich baldigen Neubeginn interpretiert werden. "Il crepuscolo dei sogni" ist kein Tal der Tränen: Die Idee der Dämmerung der Träume ist nicht nur die Idee einer Dämmerung hin zur Nacht, sondern auch zu einem neuen Tag.

Gehen wir nach Corona zurück oder gehen wir weiter?

Die Sänger, die Tänzerinnen und Tänzer sowie die Musiker agieren im gesamten Theaterraum, der ganz mit künstlichem Schnee bedeckt ist. Schnee im Theater ist ein Synonym für das Fremde, den Fremdkörper, das Virus, das in unser aller Leben eingebrochen ist. Die Kameraführung gibt dem Werk eine sanfte, aber auch schnelle Bewegung.

Neue Formen als Lockmittel

Omer Meir Wellber, musikalischer Direktor des Teatro Massimo, ist davon überzeugt, dass experimentelle, visionäre Aufführungen wie "Il crepuscolo dei sogni" das Genre Oper nachhaltig verändern, modernisieren, revolutionieren könnten: "Die große Frage ist: was wird nach Corona kommen. Gehen wir zurück oder gehen wir weiter?"

Zurück also zu Opernaufführungen wie wir sie kennen, oder weiter zu experimentellen neuen Formen. Meir Wellber hofft, dass neue Opernformen in Zukunft integraler Bestandteil der Theaterprogramme werden können - nicht zuletzt auch, um ein neues und nicht an tradierte Formen von Oper gewöhntes Publikum in die Opernhäuser zu locken.

Service

Teatro Massimo - Die Uraufführung von "Il crepuscolo dei sogni" wird am 26. Jänner um 20 Uhr ausgestrahlt.