Joseph Beuys

APA/WDR

Kulturjournal

Zum 100. Geburtstag von Joseph Beuys

Für die einen zählt er zu den großen Erneuerern der zeitgenössischen Kunst. Die anderen nennen ihn einen Scharlatan. Ist er ein Pionier der Fridays-for-Future-Bewegung? Oder ein Wegbereiter der Querdenker, der in seinem Werk insgeheim einer rechte Esoterik huldigte?

Wenn der Name Joseph Beuys fällt, gehen die Meinungen auseinander und zwar seit Langem: 1979 widmete das deutsche Nachrichtenmagazin „Der SPIEGEL“ Joseph Beuys eine marktschreierische Coverstory und erfand eine Etikette, die bis heute nachhallt: „Der größte Weltruhm für einen Scharlatan?“ war da unter Joseph Beuys einprägsamen Konterfei mit Hut zu lesen.

Als Guru verehrt und als Blender abgelehnt

Mit seinem erweiterten Kunstbegriff und dem Konzept der Sozialen Plastik wurde Joseph Beuys neben Andy Warhol in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Inbegriff des modernen Künstlers: Von seinen Jüngern wurde er wie ein Guru verehrt, von Kritikern als Blender vehement abgelehnt.

Die Veränderung der Gesellschaft mit den Mitteln der Kunst war Joseph Beuys dringlichstes Anliegen. An der Kunstakademie in Düsseldorf gründete er eine freie Klasse, in der jeder und jede aufgenommen wurde, in Deutschland gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der GRÜNEN. Legendär bleibt seine Baumpflanzungsaktion 7000 Eichen, die Beuys 1982 auf der documenta 7 vorstellte.

"Die Kreativität des Menschen ist das wahre Kapital.“

Ganz Nordrhein-Westfalen, das Epizentrum des Beuysschen Wirkens, bereitete sich auf das große Beuys-Jubiläum 2021 vor, das coronabedingt weniger opulent ausfällt als geplant. Auffallend ist, dass die Kritik an der Künstlerfigur nicht etwa in einer allgegenwärtigen Jubelstimmung untergeht, sondern vor allem Im Feuilleton geradezu zum Sturz eines Säulenheiligen der Kunst des 20. Jahrhunderts aufgerufen wurde.

Im Fokus der Kritik steht nicht nur Beuys problematischer Umgang mit der eigenen Vergangenheit zur Zeit des Nationalsozialismus, sondern auch sein essentialistischer Kunstbegriff, der vom Glauben an die ewige abgeschlossene Wahrheit gespeist wird und Beuys als letzten Vertreter einer Ästhetik der Moderne erscheinen lässt.

Service

Veranstaltungstipp: Am 1. Juni 2021 findet um 18:30 Uhr ein Ö1 Artist Talk mit Jonathan Meese und Harald Krejci im Belvedere 21 statt.

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