ORF/URSULA HUMMEL-BERGER
Februar 2026
Ö1 Buch des Monats: "Der Traum des Jaguars"
Miguel Bonnefoys prämierter Roman - eine fantastische Familiensaga über mehrere Generationen, die gleichzeitig die Geschichte Venezuelas erzählt - ist das Ö1 Buch des Monats.
1. Februar 2026, 17:00
Antonio wird als Neugeborener von einer stummen Bettlerin auf den Stufen einer Kirche gefunden und aufgezogen. Zeitgleich findet man in Venezuela Bodenschätze. "Die Entdeckung des Erdöls veränderte alles. Die Stadt verwandelte sich zur selben Zeit wie Antonio. Was noch wenige Monate zuvor nur ein Dorf gewesen war, in dem Fischer und Ährenleser lebten, wurde mit dem Einzug gewaltiger Kolonnen gieriger Menschen über Nacht zu einer Art Babel."
So wie die Nation Venezuela aufsteigt, wird aus dem Waisenkind Antonio einer der berühmtesten Ärzte des Landes. Seine große Liebe Anna Maria wird die erste Ärztin der Nation. Ihre gemeinsame Tochter Venezuela schwört der Medizin ab und wandert nach Paris aus. Antonios Enkel Christobal kehrt aus Europa nach Venezuela zurück, um die Familiengeschichte zu verschriftlichen.
Wunderbar erzählt, sinnlich, opulent
Der 1986 in Paris geborene Autor Miguel Bonnefoy ist Sohn einer venezolanischen Diplomatin und eines chilenischen Aktivisten, der unter Pinochet gefoltert wurde. Seine Kindheit verbrachte Bonnefoy teilweise in Venezuela. Damit hat er einiges gemein mit einer der Hauptfiguren in diesem prächtigen Roman.
Das ist wunderbar erzählt, sehr sinnlich, manchmal opulent. Miguel Bonnefoy überrascht immer wieder und überzeugt mit historischen Details und Elementen aus dem magischen Realismus. Kirsten Gleinig gelingt es, in ihrer Übersetzung die Pracht und Fülle dieses Romans zu vermitteln. "Der Traum des Jaguars" wurde in Frankreich mit dem "Grand Prix du Roman de l'Académie française" und dem "Prix Femina" ausgezeichnet. Es ist Bonnefoys fünfter Roman und der erste, der auf Deutsch erschienen ist.
Service
Miguel Bonnefoy, "Der Traum des Jaguars", aus dem Französischen übersetzt Kirsten Gleinig, Eisele Verlag
