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1932-2026
Alexander Kluge ist tot
"Jede Kamera ist klüger als ihr Regisseur!" Der große deutsche Autorenfilmer Alexander Kluge ist im Alter von 94 Jahren verstorben.
26. März 2026, 16:16
Er galt als hellsichtiger und engagierter Diagnostiker der Gegenwart und hat mit seinen Filmen das deutsche Autorenkino der 1960er, 1970er und 1980er Jahre geprägt. Alexander Kluge war Autor, Regisseur und Fernsehmacher. Vielen galt er als letzter Universalgelehrter Deutschlands. Gestern ist Kluge in München verstorben.
Nachruf von Arnold Schnötzigner
Intermezzo: Kluges KI: Kunst als Konjunktiv der Bilder
Alexander Kluge zu Gast bei Christine Scheucher
In memoriam Alexander Kluge
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- Hörspiel, "Kommt gestern morgen?" - Eine Alexander-Kluge-Montage | 28 03 2026 | 14.00 Uhr
- Du holde Kunst, Brigitta Furgler liest Alexander Kluge | 29 03 2026 | 08.15 Uhr
Ein Teach-in an der Universität in Frankfurt gesellschaftspolitischen Wendejahr 1968: Wir sehen, wie die Studierenden in übervollen Hörsälen debattieren, streiten, Arbeitsgruppen bilden und nebenbei über Privates sinnieren. Dokumentiert hat das Geschehen der Filmemacher Alexander Kluge. Der studierte Jurist Kluge, Jahrgang 1932, ist einige Jahre zu alt, um im Kern der Studentenbewegung mitzuwirken, doch er gehörte zu jener Gruppe Intellektueller, die maßgeblich daran beteiligt gewesen war, einen Wertewandel in der alten Bundesrepublik einzuleiten. In den 1960er Jahren ist Kluge ein Vertrauter Theodor W. Adornos, dessen distanziertes Verhältnis zu den Studentenprotesten weithin bekannt ist. "Ich bin als Filmemacher Zeitzeuge. Meine Aufgabe ist nicht zu entscheiden, ob mir das gefällt oder nicht gefällt. Ich muss zunächst aufnehmen, was ich sehe. Wir haben damals an der Frankfurter Universität neun Stunden Material gedreht."
Ich bin als Filmemacher Zeitzeuge
In den 1960er Jahren wurde der Rechtsanwalt Alexander Kluge zum rechtlichen Berater des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt und zum Wegbereiter Theodor W. Adornos.
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Alexander Kluge, 1966
In dieser Zeit des gesellschaftlichen Aufbruchs gehörte Kluge zu einer Gruppe junger Filmemacher, die gegen das etablierte Nachkriegskino Front machte. In Deutschlands Kinosälen dominierten überzuckerte Idyllen, Kostümschinken und Heimatfilme, die das Trauma des Krieges vergessen machen sollen.
1962 formulieren junge Filmschaffende während der Kurzfilmtage in Oberhausen das so genannte "Oberhausener Manifest". Es ist eine Kampfansage an den Nachkriegskitsch und die Geburtsstunde des Neuen Deutschen Autorenfilms, der mit Namen wie Volker Schlöndorff, Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog und Alexander Kluge verknüpft ist.
Doch die larmoyante Nabelschau so mancher Veteranen der 68er Bewegung liegt Alexander Kluge nicht. Statt in die Vergangenheit blickt er in die digitale Zukunft. Bis zuletzt arbeitete Kluge an Filmen, die mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz entstanden sind. Zu sehen waren seine neuesten Werke vergangenen Februar in einer Werkschau im Österreichischen Filmmuseum in Wien sowie in einer Ausstellung im Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste.
