Joseph Theodor Böhm

ORF/MARIE SPATZEK

Ö1 Talentebörse

Joseph Theodor Böhm, Computermusik & Klangkunst

Ob das Knacken beim Abbeißen einer Karotte oder das morgendliche Zischen der Bialetti-Kanne – der 1997 in Tirol geborene Joseph Theodor Böhm schätzt die kleinen Geräusche des Alltags. Böhm studiert Computermusik und Klangkunst sowie Musikologie an der Kunstuniversität Graz und ist Künstler, Performer und Forscher an der Schnittstelle von Technologie, Nachhaltigkeit und sozialer Praxis. Er untersucht, wie digitale Systeme Wahrnehmung, Verhalten und zwischenmenschliche Beziehungen strukturieren und wie sich diese Strukturen ästhetisch unterlaufen lassen.

Arbeitsvorhaben

Im Rahmen des Stipendiums möchte ich meine künstlerische Forschung zu Klang als sozialer Praxis vertiefen. Geplant ist die Entwicklung neuer performativer Settings, in denen kollektives Hören und Handeln unter instabilen Bedingungen erprobt wird. Dabei will ich bestehende Systeme weiter transformieren und experimentelle Formate zwischen Installation, Performance und digitalem Raum realisieren.

Kommentar des Künstlers

Meine Arbeiten untersuchen, wie bestehende soziale, technologische und kulturelle Systeme Wahrnehmung und Verhalten strukturieren. Ich verschiebe diese Systeme minimal, um ihre impliziten Regeln sichtbar zu machen. Klang dient dabei als körperliches Medium, das abstrakte Zusammenhänge erfahrbar macht. Autorschaft verstehe ich als verteilt, Bedeutung entsteht im Prozess der Interaktion.

Handy

social_network_music, 2025 soziale Performance, interaktive Klangskulptur
Instagram Account mit 226 Reels von Sinustönen mit solid Farben, Smartphones, Papier mit QR-Code

„social_network_music“ ist ein interaktives Kunstprojekt, das soziale Medien als klanglichen und performativen Raum untersucht. Soziale Medien strukturieren Wahrnehmung, Zeit und Verhalten. Endlose Feeds, algorithmische Auswahl und die Logik der Aufmerksamkeit führen zu vereinzelter Nutzung – genau hier setzt die Arbeit an. Das Publikum formt die Arbeit, indem es dazu aufgefordert wird, Beiträge eines Instagram-Accounts auf ihren Smartphones abzuspielen. Durch Scrollen, Starten und Stoppen der Beiträge/Reels entsteht eine gemeinsame Situation: eine sich ständig verändernde, kollektive Klangskulptur im Raum. Was sonst allein passiert, wird hier zu einem geteilten, körperlich erfahrbaren Moment sozialen Austauschs. Die Arbeit verschiebt soziale Medien in einen realen sozialen Raum und öffnet einen Möglichkeitsraum für andere Formen der Nutzung – jenseits von Vereinzelung und passivem Konsum.
Die Beiträge bestehen aus einzelnen Farben und einfachen Sinustönen, die erst im Zusammenspiel mehrerer Smartphones ein komplexes Gefüge bilden.

>> Zum Instagram Account

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DADA-KARAOKE

DADA-KARAOKE, 2025 Performance, Installation
DADA-Lautgedichte von Hugo Ball (Der Stier, Seepferdchen und Flugfische, Karawane)

„DADA-KARAOKE“ ist eine performative Klanginstallation, die dadaistische Lautpoesie mit der sozialen Praxis des Karaoke verschränkt und daraus ein radikales Experiment über Sprache, Kontrolle und Scheitern entwickelt. Im Zentrum steht eine Versuchsanordnung, in der Stimme, Körper und Wahrnehmung unter Bedingungen zunehmender Überforderung agieren.

>> Beispielperformance

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(ab)trainieren

(ab)trainieren, 2026 Installation
gemeinsam mit Marit Seidemann, Lisa Offterdinger, Cornelius Grömminger
Boxsack inkl. Aufhängung, Lautsprecher, Bass-Exciter, Piezomikrofon, Raspberry Pi, Arduino 32, WLAN-Router, Akkubox, Kabel

„(ab)trainieren“ entstand im Rahmen einer künstlerischen Ketten-Inspiration und ist eine interaktive Installation, die hegemoniale Männlichkeit als erlerntes, körperlich eingeschriebenes Handlungssystem thematisiert. Ausgangspunkt ist die Fragestellung: Wie lassen sich internalisierte Gewaltstrukturen sichtbar, hörbar und körperlich erfahrbar machen – und gleichzeitig alternative Handlungsmöglichkeiten eröffnen? Der Boxsack ist in eine gesteppte Decke gehüllt und ist weich, zugänglich und körpernah. Schläge erzeugen unmittelbare, belohnende Sounds und verstärken eine bekannte Handlung. Umarmungen oder sanfte Berührungen hingegen lösen vielschichtigere Klänge aus und der Boxsack beginnt zu schnurren. Je nach Umgang verändert sich das klangliche Verhalten des Objekts. Zwischen Angriff und Nähe entsteht eine Spannung, die sich im Handeln der Besucher:innen entfaltet.

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Ausbildung

  • seit 2025 MA Computermusik & Klangkunst, Kunstuniversität Graz
  • seit 2025 MA Musikologie, Kunstuniversität Graz
  • 2021 - 2025 BA Computermusik & Klangkunst , Kunstuniversität Graz
  • 2019 - 2024 BA Musikologie, Kunstuniversität Graz

Projekte und Ausstellungen (Auswahl)

  • 2026 (ab)trainieren, !M S!NN.², Forum Stadtpark, Graz
  • 2026 tipping away, Arts & Climate Change, KUG, Graz
  • 2025 social_network_music, Peristasen, KUG-Eingangsbereich, Graz
  • 2025 serendipity lux, Peristasen, KUG-Treppenhaus, Graz
  • 2025 Das Wohlwollen der Unvollständigkeit, !M S!NN., Zotl, Graz
  • 2025 DADA KARAOKE, Projectionmapping Labor, MUMUTH, Graz
  • 2024 VACUUM, Grenzen/Borders/Boundaries, Kunst Klub Kräftner, Graz
  • 2023 Hydrok, Art of Change, Wanderausstellung and den Kunsthochschulen Österreichs

Übersicht