JULE WÜRFEL
Ö1 Talentebörse
David Carol Fedders, Ortsbezogene Kunst
David Carol Fedders hat einen politikwissenschaftlichen Hintergrund und studiert seit 2023 Ortsbezogene Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien. Die Frage danach, wem die Stadt gehört und wer sie mitgestalten darf, beschäftigt den gebürtigen Bielefelder. In seinen Arbeiten greift er oft zu vergänglichen Materialien.
31. Juli 2026, 12:20
Arbeitsvorhaben
Im geplanten Arbeitszeitraum verschiebt sich meine Praxis von objektbasierten Arbeiten hin zu raumgreifenden Installationen, in denen der Raum selbst Teil der Setzung wird. Bestehende Ansätze werden erweitert und in komplexeren Konstellationen zusammengeführt. Im Fokus steht die Verschränkung von Material, architektonischen Strukturen und persönlichen Fragmenten, die nicht als Erzählung, sondern als Spur im Raum erscheinen. Ziel ist eine Verdichtung, in der unterschiedliche Zustände gleichzeitig erfahrbar werden.
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Kommentar des Künstlers
Meine Arbeit untersucht Architektur und Material als Träger ideologischer Ordnungen. Urbane Strukturen treffen auf zeitbasierte Stoffe wie Zucker oder Milch, deren Vergänglichkeit sich in stabile Strukturen einschreibt. In installativen Setzungen entstehen Brüche zwischen Versprechen und materieller Realität, die sich mit persönlichen Erinnerungen und historischen Spuren verschränken und in denen sich Dauer, Funktion und Kontrolle gleichzeitig stabilisieren und auflösen.
Liquid Ornament, 2024
Gefrorene Milch, Stahl
23 x 20 x 34 cm (3x)
In „Liquid Ornament“ werden Gründerzeit-Konsolen aus gefrorener Milch gegossen. Die historischen Ornamente übersetzten aristokratische Architektur in massenproduzierte Fassadenelemente. Hier werden sie temporär stabilisiert und beginnen sich zu verflüssigen. Mit dem Zerfall verliert das architektonische Element Kontur und Autorität. Milch wird zugleich Träger und Auflösung. Die Verflüssigung sowie Geruch und Feuchtigkeit greifen in die Raumsituation ein.
PRIVAT
Monument to What Grows Back, 2026
Aluminiumguss, Blechprofile, Farbe
40 x 546 x 260 cm
Die Arbeit besteht aus einer gesetzten Grundstruktur aus Blechprofilen, die von Löwenzahnblättern aus Aluminiumguss durchbrochen werden. Innerhalb der industriellen Codes der Profile lagern sich Fragmente aus der Polizeiakte meines Urgroßvaters sowie eigene Textfragmente an. Zwischen Setzung und Festhalten entsteht eine Form, die weder als Monument noch als Dokument eindeutig lesbar ist. Der Löwenzahn erscheint als Wachstum, das sich unter widrigen Bedingungen immer wieder Bahn bricht und sich der vollständigen Kontrolle entzieht.
PRIVAT
GIMME MORE, 2025
Zuckerglas, Stahl, Pigmentdruck, Leuchtmittel
120 x 270 x 10 cm
„GIMME MORE“ besteht aus drei Skulpturen in der Form gotischer Kirchenfenster aus Stahl und Zuckerglas. In die Fenster sind Bildfragmente aus digitaler Anzeigenwerbung eingelassen, die körperliche Heilung und Optimierung versprechen. Durch die Verschiebung in die Form religiöser Ikonografie treten diese Bilder in die Nähe biblischer Heilserzählungen. Zuckerglas verbindet beide Ebenen als fragiles Material, das zwischen Energie, Konsum und Abhängigkeit vermittelt und die Versprechen in eine instabile Form überführt.
PRIVAT
Ausbildung
- seit 2023 Ortsbezogene Kunst, Universität für angewandte Kunst Wien
- 2020 - 2023 Freie Kunst, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
- 2015 - 2018, Politikwissenschaft, Martin Luther Universität Halle
Projekte und Ausstellungen (Auswahl)
- 2026 Personal Structures, Palazzo Mora, Venedig
- 2026 Mental Load, Trinkhalle, Bad Ischl
- 2026 Temporary Heaven, Kruchi at PART International Residency, Wien
- 2025 Between Shelves, Kunstraum Weikendorf
- 2025 Wandernde Narzissen, Museumsquartier Wien
- 2024 Sensible Systeme, Soho Studios, Wien
- 2024 Sleeping Dogs, Klima Biennale Wien
- 2024 Team Elf, Plateau, Wien
- 2023 90 Herbstausstellung, Kunstverein Hannover
- 2023 The Power of Dreams, Kunst am Bau, Ministerium für Wissenschaften und Kultur, Hannover
- 2023 Unter festen Wolken (solo), Kunstschaufenster Wolfsburg
- 2023 Paged Out, Weltspiele, Hannover
- 2023 Hetz, Kunstverein Roter Keil, Graz
