ELENA KRISTOFOR
Ö1 Talentebörse
Julia Belova, Kunst und Raum
Julia Belova wurde 1991 in Twer, Russland geboren und studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien Kunst und Raum | Objekt bei Julian Göthe. Für ihre skulpturalen Arbeiten bedient sich die Künstlerin an barocker Ästhetik, der sie aus einem queer-feministischen Blickwinkel begegnet.
31. Juli 2026, 12:20
Arbeitsvorhaben
Im Sommersemester 2026 schließe ich mein Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien ab. Danach möchte ich meine Arbeit mit Metall und Porzellan fortführen und eigene Arbeitsmöglichkeiten außerhalb der Akademie aufbauen. Dazu zählen ein Keramikofen und eine Grundausstattung für Metallbearbeitung. Diese bilden auch die Grundlage für ein neues Projekt, das ich 2027 im MUSA Wien zeigen möchte. Die Förderung würde meine weitere künstlerische Arbeit wesentlich unterstützen.
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Kommentar der Künstlerin
In meiner künstlerischen Praxis interpretiere ich die Bildsprache der barocken Ästhetik aus einer queer-feministischen Perspektive neu. Mich interessiert, wie sich Körperlichkeit zwischen Sinnlichkeit, Monstrosität und Religiosität verschiebt und neu formiert. In meiner Arbeit setze ich mich mit Fragen von Kontrolle, Hierarchie und Authentizität auseinander und verwende dabei Porzellan als zentrales Material, das großes Potenzial für historische Neubewertungen im zeitgenössischen Kontext birgt.
Monstrum Sacrum, 2025
Porzellan, Holz, Stahl, Aluminium, Latex, Silikon, Füllmaterial
450 × 700 × 1600 cm
„Monstrum Sacrum" wurde für eine Ausstellung in der Dominikanerkirche Krems entwickelt und versteht das Monster als Figur des Fremden in kirchlich geprägten Körperbildern. Zwischen Kirche und Körper entstehen Systeme von Kontrolle, Disziplin und Hierarchie, die Normen und Ausschlüsse erzeugen. Das Monströse erscheint als das Verdrängte dieser Strukturen – als Ausdruck des Unbewussten und des Ausgeschlossenen. Die barocke Ästhetik verstärkt das Spannungsfeld zwischen Angst und Anziehung.
SIMON VERES
Pink Chandelier, 2025
Porzellan, Farbkörper, Wachs, Kette
55 × 50 × 50 cm
„Pink Chandelier" mit Wachskerzen und Porzellan-Tentakeln lässt sich als ein System verstehen, in dem barocke Ästhetik zu einer spannungsvollen Form körperlicher Sinnlichkeit wird, reguliert von Macht und Moral. Der Kronleuchter steht für Status und Machtdemonstration, während Porzellan, verbunden mit kolonialer Geschichte und globalen Austauschprozessen, Logiken von Aneignung und Asymmetrie trägt. Die Tentakel verschieben den dekorativen Überschuss in den Bereich von Begehren. Das Monströse wird zum Nachhall verdrängter Geschichten von Körper und Macht.
JON AZIZAJ
There’s no Monster in this Room, 2023
Textil, Porzellan, Keramik, Metallkonstruktion
200 × 200 × 150 cm
Die Arbeit „There’s no Monster in this Room„ reflektiert das Konzept des Fremden und die Erfahrung gesellschaftlicher Präsenz, in der das Subjekt sichtbar, aber nicht vollständig integriert ist und zwischen Systemen und Regeln schwebt. Sie existiert im Spannungsfeld zwischen Verletzlichkeit und aggressiver visueller Präsenz, in dem Dekorativität über die Fragilität des Körpers und seine Transformation spricht, während Versuche, unsichtbar zu werden, unmöglich werden.
JOHANNES STOLL / BELVEDERE WIEN
Ausbildung
- seit 2016 Kunst und Raum | Objekt (Julian Göthe), Akademie der bildenden Künste Wien
- seit 2016 Abstrakte Malerei (Erwin Bohatsch), Akademie der bildenden Künste Wien
- 2019 Erasmusaufenthalt, Royal Institute of Art, Stockholm
- 2009 - 2015 Plastische Konzeptionen / Keramik, BA und MA, Staatliche Stieglitz-Akademie für Kunst und Design, Sankt Petersburg
Projekte und Ausstellungen (Auswahl)
- 2025 Monstrum Sacrum, Einzelausstellung, Dominikanerkirche, Kunsthalle Krems
- 2025 Gott und Geld, Stift Klosterneuburg
- 2023 Über das Neue. Wiener Szenen und darüber hinaus Teil 3, Belvedere 21, Wien
- 2023 Sieben Todsünden, Kunsthalle Krems
- 2023 Life on its own, Kunstraum Schwaz
- 2022 ZONE1 solo positions, viennacontemporary art fair, Wien
- 2022 Snakes have many Faces, Einzelausstellung, Sotheby’s Artist Quarterly, Wien
- 2022 Skulpturgarten, Parallel & Never at Home, Palais Auersperg, Wien
- 2022 BLASFEMinISTKI, Dom Norymberski, Krakau
