ORF/MARIE SPATZEK
Ö1 Talentebörse
Christian Azzouni, Kontextuelle Malerei
Christian Azzouni, geboren 1995, hat kürzlich seinen Master in Visueller Kommunikation an der Kunstuniversität Linz abgeschlossen und studiert Kunst & Bild | Kontext an der Akademie der bildenden Künste Wien. An der Schnittstelle von Fotografie und Malerei arbeitend, verhandelt der Künstler Themen wie Herkunft, Differenzerfahrung und strukturellen Rassismus. Das von ihm entwickelte „Figurigramm“ bildet den Kern seiner Praxis.
31. Juli 2026, 12:19
Arbeitsvorhaben
Für meine zukünftige künstlerische Forschung und Praxis sehe ich eine Annäherung zur arabischen Sprache, eine Inklusion der Palästinensischen Perspektive und die Fusion dieser zu meiner queer-palästinensisch-österreichischen und aktivistischen Position. In der Laufzeit des Stipendiums würde ich das Figurigramm weiter ausarbeiten, palästinensische Stickereien einbauen und daraus meine eigene queere Position reflektieren.
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Kommentar des Künstlers
Künstlerisch arbeiten bedeutet für mich, eigene Prozesse zu durchlaufen, über diese zu reflektieren und das Gefühl dieses Prozesses transparent zu machen. Durch das partielle Auftragen der Chemie, nimmt das auf dem lichtsensiblen Papier den Raum und die Zeit ein, die genau diesen physisch-chemischen Abdruck sichtbar macht. Diesen künstlerischen Prozess möchte ich daher transparent machen und versuche, durch die Materialität des Papiers und der Chemie das Verhältnis von Präsenz und Raum zu erforschen. Derzeit lege ich meinen Hauptfokus auf die „Untersuchung meiner tatsächlichen Wirklichkeit durch den physisch-chemischen Ursprungs des fotografischen Bildes“, indem ich über Rassismus, unverhältnismäßige Machtstrukturen und meine eigene queere palästinensisch-österreichische Rolle in einer österreichisch-weißen Gesellschaft reflektiere und durch das partielle Auftragen fotochemischer Flüssigkeit auf das Material versuche sichtbar zu machen. Im Kontext der Aufarbeitung von Machtverhältnissen und den Darstellungen davon, komme ich meiner eigenen palästinensischen Herkunft immer näher und arbeite dies in meinen Arbeiten ein. Gerade befinde ich mich in der Untersuchung von Mustern und Farben von traditionellen palästinensischen Stickereien und Musterstrukturen. Sowohl die technische, als auch die kontextuelle Ebene ist hier ein wichtiger Bestandteil.
einfach passioniert Shisha rauchen, 2026
Figurigramm (Chemiegram)
127 x ca. 117 cm
„einfach passioniert Shisha rauchen“ repräsentiert für mich meine Mutter und den Zusammenhang mit dem Ausgang einer rassistisch-hierarchischen Position. Rechts die abgetretenen Schuhe, das Tier rauchend an der Shisha hinter einem Gitter, ein Vorhang ist, wenn auch nur schleierhaft, erkennbar. Das Sitzen dieses Wesens zeigt für mich Stärke und Resillienz im Zusammenhang dieser Machtdynamiken, gleichzeitig aber auch eine Machtlosigkeit. Dabei wird das Sitzen selbst zur Symbolik von Resillienz als auch Machtlosigkeit.
PRIVAT
the new balance shoe, 2024
Figurigramm (Chemiegram)
127 x ca. 200 cm
In „the new balance shoe“ behandle ich konkret den New Balance Schuh, welche von Andrew Anglin als „Schuh der Weißen“ bezeichnet wurde. Diese Bezeichnung nun aufgegriffen, stellte ich diesen Schuh einem tierlichen Wesen aus Reflecting Racism gegenüber wohingegen sich eine Machtdynamik durch die Leine bemerkbar macht. Die Machtdynamik beschreibt für mich den kapitalistischen Zusammenhang, welche eine Hierarchie durch die verschiedenen Größen im Bild erzeugt.
PRIVAT
Du.. Du.. ... Tier, 2022
Von links nach rechts:
Animal sitting on a chair, S/W-Figurigramm auf PE-Paper, 100 x ca. 180 cm
shitting on the structure, S/W-Figurigramm auf Baryt Papier, 100 x ca. 190 cm
Still not sure, which animal I am now, S/W-Figurigramm auf Baryt Papier, 100 x 170 cm
Animal on a chair, S/W-Figurigramm Baryt-Papier, 100 x ca. 160 cm
Animals sharing a bath, S/W-Figurigramm auf PE-Papier, 100 x 180 cm
Die Ausstellung „Du.. Du.. … Tier“ war der Beginn dieser Serie und zeigt Figurigramme/Chemiegramme auf Schwarz/Weiß Papier. In diesem Zusammenhang habe ich die ersten Bilder erstellt, woraus sich die heutigen Tierwesen und diese Machtstrukturen für mich bemerkbar machten. Dabei sehe ich genau diese Überleitung von strukturellem Rassismus und das Auftragen der Chemie. Denn erst, wenn man diese Strukturen anspricht, werden diese sichtbar. Erst, wenn ich die Chemie auf das Papier auftrage, wird die Schicht sichtbar. Sofern man das Material lässt, oder diese rassistischen Strukturen nicht angesprochen werden, wird beides nicht sichtbar. Daher verwende ich das fotografische Material, um das Nicht-Sichtbare, sichtbar zu machen.
PRIVAT
Ausbildung
- seit 2024 Diplomstudium Kunst & Bild | Kontext, Akademie der bildenden Künste Wien
- seit 2023 MA Visuelle Kommunikation, Kunstuniversität Linz
- 2021 - 2024 Diplomstudium Kunst & Zeit | Fotografie, Akademie der bildenden Künste Wien
- 2021 BA Grafikdesign & Fotografie, Kunstuniversität Linz
Projekte und Ausstellungen (Auswahl)
Ausstellungen in:
Francisco Carolinum Linz, Landesmuseum Tirol, Exhibit Galerie Akademie der bildenden Künste Wien, Lentos Linz, Museumsquartier Wien, AVA-Hof Salzburg, Red-Carpet Showroom Karlsplatz, April Fools Show, Salzamt Linz, BB15 Linz, Hasselt (BE), Breda (NL)
