DAVID PRIDAL
Ö1 Talentebörse
Daphne von Schrader, Kunst und Intervention
In Kooperation mit den österreichischen Kunstuniversitäten präsentiert Ö1 junge Kunst-Talente Österreichs. Daphne von Schrader studierte Kunst und Intervention an der Akademie der bildenden Künste Wien.
20. August 2026, 07:55
Junge Künstlerinnen und Künstler im Porträt
Ich bin eine Beobachterin im Tarnkappenmodus mit Kontrollfreak und Klugscheißer-Tendenzen und einem gesunden Größenwahnsinn, die das Workaholic Mama Dasein liebt und sich beim Kunstmachen vorstellt, eine verrückte Wissenschaftlerin in einem Labor zu sein, mit Instrumentarien, die sie selbst erfunden hat. Mein Lieblingseis ist Pistazie und Joghurt.
Geboren: 1996 in Wien
Aktuelles Studium: Kunst und Intervention | Environment (Judith Huemer), Akademie der bildenden Künste Wien
Mein größter Erfolg: Im Moment bin ich jedes mal stolz auf mich, wenn ich es schaffe, alte Denkmuster zu ertappen und zu entkoppeln oder komische Gewohnheiten ein bisschen zu verändern.
Was ist Kunst?
Kunst ist eine wundertolle Dauerforschungspraxis, die ohne Beweise Behauptungen deutet und professionell spekulieren darf. Eine Zweckentfremdung unserer Sinneswerkzeuge, um sich unsichtbaren, unaussprechbaren oder ungewussten Sachen anzunähern. Ein Gegenteiltag, ein Umkehrspiel, ein Wer bin ich. Die am besten durchdachte, am kompliziertesten umgesetzte und wichtigste Art von Sinnlosigkeit. Und Kunst ist eine Verdauung, ein Kreislauf von Inspiration und Produktion, durch den sich auf allen differenzierten Schichten, Verschmelzungen von Innen und Außen verdichten.
Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?
Ich weiß nicht, wo Kunst herkommt. Wenn es um Kunstmachen oder Künstlerin-Sein geht, kann ich mir nicht vorstellen, das nicht zu machen. Wenn ich wollte, würde ich natürlich keine Kunst machen können, aber Kunst müsste mich machen. Als Beobachtungsweise, Verständnismethode, Übersetzungssprache, die sich nicht auf ein materielles Produkt reduziert, sondern mich in der Welt anwesend macht, ohne mich zu fragen, ob ich kann, will oder muss.
Wie sind Sie zur Kunst gekommen?
Meine Mama ist Performancekünstlerin, in meiner Kindheit sind wir viele Male umgezogen. Bei der Besichtigung neuer Wohnorte war immer klar, den Tanzraum in die Raumaufteilung mit einzuplanen. So normal war der künstlerische Raum Teil unseres Lebens.
Was ist für Sie notwendig, um kreativ sein zu können?
Ein geregelter, regelmäßiger Alltag.
Fällt es Ihnen leichter, ein Projekt zu beginnen oder abzuschließen, und warum?
Beides ist leicht! Mittendrin dranzubleiben ist schwer. Zu Beginn ist ein Projekt pure Faszination, ich bin ein Schwamm mit selektiver Wahrnehmung und verwandle jedes Geschehen in eine Inspiration, die ich aufsauge. Am Ende eines Projekts werde ich wahnsinnig und vertieft, ich gehe verloren in der Arbeit, und je weiter ich hineinkippe, desto detaillierter und unabgeschlossener wird ein Projekt. In der Mittenphase gibt es einen Moment: etwas, das nicht funktioniert, schwemmt die erste Welle an Frustration an. Mit schlechten Frustrationsbewältigungsstrategien tendiere ich nach dem zehnten gescheiterten Experiment zu Prokrastination und lasse mich auf leichte Ablenkungen in neue Faszinationen hinein ein. Das ist für mich die schwierigste und potenteste Phase, in der das Material widerspricht, nicht mitmacht, Theorien beschädigt werden, um neuen Geschichten zuzuhören und Durchhaltevermögen zu trainieren.
Welches Geräusch beschreibt Ihre Arbeit am besten?
Verdauungsgeräusche natürlich.
Wo würden Sie am liebsten auftreten/inszenieren/ausstellen/performen?
Ich möchte gerne ein Konzert in einem Lift spielen oder eine Unterwasserkomposition live in einem See komponieren. Ich möchte gerne mehr in meinen Träumen forschen und hinter oder in Raumwänden und Böden installieren.
Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?
Ärzt:innen
Was soll Ihre Kunst bei anderen auslösen?
Assoziationen aller Art, da bin ich nicht wählerisch.
Ein Risiko, das ich mir (nicht) erlaube, ist …
Ich habe mich in letzter Zeit oft gefragt, wie intim ich arbeiten möchte und wie viele persönliche Inhalte ich in meinen Werken preisgeben kann. Das ist ein Verletzlichkeitsrisiko, über das ich mir noch nicht sicher bin, ob ich es mir erlaube / mir zutraue oder nicht.
Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?
Die letzte neue Eissorte, die ich zum ersten Mal ausprobiert habe, war Maracuja-Joghurt, das hat sich sehr ausgezahlt.
Worüber haben Sie zuletzt laut gelacht?
Eine meiner schlechten Angewohnheiten ist Doomscrolling auf Instagram, aber manchmal endet es damit, dass ich allein laut lachend vor dem Bildschirm sitze mit Tränen in den Augen.
