Leonie Ziem & Sophia Dostal Talentebörse

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Leonie Ziem & Sophia Dostal, Sprachkunst

In Kooperation mit den österreichischen Kunstuniversitäten präsentiert Ö1 junge Kunst-Talente Österreichs. Leonie Ziem und Sophia Dostal studieren Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien

Junge Künstlerinnen und Künstler im Porträt

Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Ziem: Wenn mein Herz für die Kunst schlägt, dann ohne mein Einverständnis. Wär ich doch nur Sozialarbeiterin oder Politikerin geworden.
Dostal: Ich bin neugierig bis zur Aufdringlichkeit und stur bis zur Erschöpfung. Meistens findet man mich rauchend, am Balkon, mit Telefon am Ohr.

Was ist Kunst?

Ziem: Die Hingabe an die Zwecklosigkeit. Gleichzeitig arbeitet Kunst an der Konstruktion der Welt mit, hinterlässt Dellen und Kratzer - und ist bestenfalls Mittel der politischen und ethischen Imagination.
Dostal: Ich glaube an die Niederschwelligkeit von Kunst, oder, dass sie es sein muss. Das heißt für mich: Alles, was uns etwas fühlen lässt.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Ziem: Kunst kommt von der Notwendigkeit, Sinn und Bedeutung zu schaffen, zu sortieren, zu überprüfen.
Dostal: Vom Können und Wollen: Aber Können heißt nicht Talent, Können heißt Zeit, heißt Geld, heißt, das eigene Schreiben ernst zu nehmen – und das Wollen, kommt nach dem Können.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Ziem: Ob da ein Monster unter meinem Bett ist? Ob das nur eine Geschichte ist? Ob die ganze Welt Text ist? Am liebsten will ich nur dasitzen und nachdenken. Um das Tagträumen zu kaschieren, mache ich es mir zum Beruf.
Dostal: Am Ende konnte ich nichts anderes besser.

Was ist für Sie notwendig, um kreativ sein zu können?

Ziem: Manchmal Ruhe und manchmal Menschen, die im Hintergrund aufgeregt miteinander sprechen. Manchmal der Gedanke, dass alles gut wird und manchmal die Einsicht, dass Nichts gut ist.
Dostal: Mich selbst einfach dazu zwingen – egal wo, egal wie. Wenn ich auf den richtigen Zeitpunkt oder Inspiration warten würde, würde ich nie schreiben.

Fällt es Ihnen leichter ein Projekt zu beginnen oder abzuschließen und warum?

Ziem: Ich liebe Anfänge. Erste Sätze sind für mich ein Versprechen und sie enthalten bestenfalls schon den ganzen Text.
Dostal: Jeder Text, den ich schreibe, wirft beim Schreiben schon den Nächsten auf.

Welches Geräusch beschreibt Ihre Arbeit am besten?

Ziem: Ein Kinderkarussell bei 36 Grad.
Dostal: Ein pfeifender Teekessel.

Wo würden Sie am liebsten auftreten/inszenieren/ausstellen/performen?

Ziem: In den Träumen von Leuten, die ich nur flüchtig kenne.
Dostal: Im Schwimmbad, in öffentlichen Parks, Hinterhöfen, Wohnzimmern – Orte wo jeder hin kann, ohne Bildungstürsteher.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Ziem: Ich bin ein Fangirl von der Theaterregisseurin Sapir Heller.
Dostal: Lieber mit allen, als mit niemandem.

Was soll Ihre Kunst bei anderen auslösen?

Ziem: Wenn ich einen Wunsch frei habe: Am ehesten so etwas wie eine produktive Verwunderung.
Dostal: Irgendetwas – Wut, Freude, Trauer, Hass. Am liebsten erkennt jemand sich wieder im Text, auch wenn das Thema fernliegt – oder hasst alles daran und will es selbst besser schreiben. Ich freue mich am meisten auf den Moment, wo ein Text aufhört, mir zu gehören.

Ein Risiko, das ich mir nicht erlaube, ist…

Ziem: Etwas an meine Wände zu montieren - vielleicht ziehen wir ja morgen um.
Dostal: Einen Kaffee nach 16 Uhr.

Wann haben Sie zum letzten Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Ziem: Neulich habe ich ein Semikolon benutzt!! (Ein Ausrufezeichen = mit erhobener Stimme, Zwei Ausrufezeichen = es von den Dächern schreien).
Dostal: Letzte Woche habe ich zum ersten Mal einen Fahrradreifen geflickt.

Worüber haben Sie zuletzt laut gelacht?

Ziem: Über die Art und Weiße, wie sich eine Wolke an ein Gebäude geschmiegt hat.
Dostal: Als ich mit einer Freundin versucht habe, zu rappen.

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