"Beyond Gossip" von funk, Sujet

FUNK

Junge Zielgruppen

Auf der Suche nach der Coolness

Beim "Zukunftsforum" von Medienminister Babler wird es auch um die Frage gehen: Wie kann es der ORF künftig schaffen junge Zielgruppen zu erreichen? Gesetzliche Verbote machen digitale Angebote immer noch schwer für den Öffentlich-Rechtlichen. Das große Vorbild kommt aus Deutschland und heißt "Funk".

"Funk", das Content-Netzwerk von ARD und ZDF, gilt als das große Vorbild. Mehr als 60 Video- und Audioformate werden aktuell angeboten, zu sehen auf der eigenen Plattform und bei Drittanbietern wie YouTube, TikTok oder Spotify. "Funk" soll ein großes Probierfeld sein - was zieht bei der jungen Zielgruppe? Das wird hier getestet und wenn es nicht klappt, wieder verworfen. Ohne Sender im Rücken und mühsamer Programmierung ist das viel einfacher.

"MrWissen2go": Mirko Drotschmann

"MrWissen2go": Mirko Drotschmann

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ARD und ZDF machen es in Deutschland vor

Zu den erfolgreichsten "Funk"-Formaten zählt der YouTube-Kanal "MrWissen2go" mit bisher mehr als 50 Millionen Aufrufen. Es sind einfache, kurze Erklärvideos zu den unterschiedlichsten Themen, aktuell zur spannenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und zur Frage, wie wahrscheinliche eine Regierung der AfD ist. Zum Portfolio von "Funk" gehören auch preisgekrönte Formate und Recherchen, etwa die Reportagen von "Strg+F". Von Bandenkriminalität, Schönheitsoperationen bis hin zu den Machenschaften des syrischen Geheimdienstes, die Themenpalette ist breit. Auch Comedy und Unterhaltung ist bei "Funk" zu finden.

Diesen Oktober feiert "Funk" sein 10-jähriges Bestehen. Die Deutschen haben schon viel früher erkannt, dass es neue Wege braucht, um bei den jüngeren Generationen nicht komplett den Anschluss zu verlieren. Stolze 90 Prozent der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen kennt "Funk" laut Angaben des Netzwerks.

Mit ORF-Inhalten dorthin, wo die Jungen sind

Eine Traumvorstellung für Leonhard Dobusch. Der unabhängige Stiftungsrat auf SPÖ-Ticket wünscht sich schon länger ein österreichisches "Funk"-Pendant im ORF. Will der ORF auch in 10, 15 Jahren relevant bleiben, dann müsse er jetzt was tun. "Die Ausgangsposition ist die, dass von den unter 25-Jährigen selbst zur Primetime keine 10 Prozent mehr fernsehen. Da reden wir nicht vom ORF, sondern die schauen einfach kein lineares Programm mehr", sagt Dobusch.

Die Jungen sind online, hat auch erst vor kurzem einmal mehr der Reuters Digital News Report bestätigt. In der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen sind soziale Medien mit rund 47 Prozent die dominierende Hauptnachrichtenquelle, das sind um ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr. Die Zeit drängt also. Um die demokratische Funktion des ORF zu erfüllen, müsse der ORF mit seinen Inhalten dorthin, wo die jungen Leute sind, sagt Dobusch. "Auch wenn es mir nicht gefällt, dass das bedeutet, Inhalte für Big-Tech-Plattformen zu produzieren." Freilich sollten auch die eigenen Kanäle und Portale bespielt werden, meint Dobusch.

funk: strg+f

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Mehr "Funk", weniger Fesseln

Dobusch schlägt vor, den Radiosender FM4 in eine Social-Media-Plattform à la "Funk" umzubauen. Geld und Personal müssten im Haus clever umgeschichtet werden - trotz des erdrückenden Sparzwangs. Zum Vergleich: Das deutsche "Funk" kann auf ein Jahresbudget von 46 Millionen Euro zurückgreifen. Thomas Schmidt, Assistenz-Professor für Mediengeschichte an der Universität Wien, sieht den ORF hier auch rechtlich in der Verantwortung. Das ORF-Gesetz sehe eine angemessene Berücksichtigung alle Altersgruppen vor. "Das heißt, der ORF muss sich auch darum bemühen, jüngere Bevölkerungsschichten zu erreichen, auch wenn es schwierig ist und auch wenn das natürlich eine große Herausforderung darstellt", so Schmidt.

Vor allem sind aber andere Rahmenbedingungen nötig. Zwar darf der ORF seit der Digitalnovelle 2024 mehr im Netz - etwa Inhalte zuerst online stellen und diese dort dann auch länger lassen. Aber "online only", Programm also nur für das Internet ohne Sendungsbegleitung gestalten, das ist noch schwierig. "Da werden dem ORF derzeit einfach so enge Fesseln auferlegt, dass er das Publikum eigentlich nicht zeitgemäß erreichen kann", und das, obwohl es dafür die Haushaltsabgabe zahle, meint Dobusch.

ZIB auf TikTok und Instagram ein "Leuchtturm"

Die Social-Media-Aktivitäten der "Zeit im Bild" sind für den Stiftungsrat ein Leuchtturm - öffentlich-rechtliche News auf TikTok und Instagram in der richtigen Sprache, dort wo die User sind. Seit zwei Jahren gibt es außerdem hintergründige Erklärstücke von der ZIB auf YouTube. Und auch die "Young Audience"-Abteilung im Haus bemüht sich darum, neue jugendgerechte Formate zu entwickeln. Es passiert also durchaus etwas, aber noch nicht genug, sagen viele.

Den Handlungsbedarf hat auch der gewählte Generaldirektor Clemens Pig erkannt. In seinem Bewerbungskonzept hat er "Funk" selbst als Vorbild genannt. In der ZIB2 drückte es Pig unlängst so aus: "Wir haben großen Aufholbedarf bei einer Verjüngung des Publikums, einer Verjüngung des Programms und ein bisschen mehr Coolness-Faktor in den Inhalten und in den Sendungen würde uns auch nicht schaden."

Ein bisschen mehr Coolness also - von den Privaten Medien ist Gelassenheit in der Frage jedenfalls nicht zu erwarten. Sie haben schon klar gemacht, dass sie gegen ein "Funk"-ähnliches Angebot im ORF sind. Leonhard Dobusch versteht die Ablehnung nicht. Er glaubt, dass alle von einem starken ORF profitieren würden. Die Bedeutung des ORF für ein kleines Land wie Österreich werde unterschätzt: "Wenn man dem ORF weniger erlaubt, wenn man dem ORF noch mehr Mittel streicht, dann wird das Geld nicht zu den Privaten fließen. Das Geld ist dann eigentlich verloren für den Medienstandort."

"Junges Publikum selbstverständlich unser Auftrag"

Das Thema wird beim "Zukunftsforum" von Medienminister Andreas Babler mit Sicherheit heiß diskutiert werden. Für Generaldirektorin Ingrid Thurnher ist die Wunschrichtung klar: "Selbstverständlich braucht der ORF ein Angebot für junges Publikum. Oder um es anders darzustellen: Das junge Publikum braucht auch ein Angebot vom ORF, wenn man es aus dieser Perspektive sieht. Das müssen wir leisten dürfen. Das müssen wir, glaube ich, dem Gesetzgeber sehr, sehr klar sagen."