Gedanken für den Tag
"Armut ist vermeidbar" von Martin Schenk
6. Mai 2010, 06:57
Der (evangelische) Sozialexperte macht gemeinsam mit der (katholischen) Sozialexpertin in ihrem Plädoyer "Es reicht! Für alle!" deutlich, dass selbst in Krisenzeiten Armut vermeidbar wäre und dass die gerechtere Verteilung des Wohlstands eine der drängendsten Fragen dieser Zeit ist.
Lebensmittel sind etwas zum Essen. Es gibt aber auch Lebensmittel, die wir nicht essen können und trotzdem zum Leben brauchen. Besonders Menschen, die es schwer haben, sind darauf angewiesen. So auch Peter, der sich mit einem Billigjob nach dem anderen durchschlagen muss.
Es sind vor allem drei "Lebens-Mittel", die stärken: Erstens Freundschaft. Soziale Netze, tragfähige Beziehungen stärken. Das Gegenteil schwächt: Einsamkeit und Isolation. Menschen in Armutslagen leben wesentlich öfter allein, haben seltener Kontakte außerhalb des Haushaltes. Peter kann deutlich weniger auf ein tragfähiges Unterstützungsnetzwerk zurückgreifen.
Das zweite Lebensmittel ist Selbstwirksamkeit. Das meint, dass ich das Steuerrad für mein eigenes Leben in Händen halte. Das Gegenteil davon ist Ohnmacht - das schwächt. Kann man selber noch irgendetwas bewirken, ergibt Handeln überhaupt einen Sinn?
Das dritte Lebensmittel ist Anerkennung. Anerkennung und Respekt stärken. Das Gegenteil ist Beschämung. Das wirkt wie Gift. Peter erlebt das tagtäglich. Er strengt sich voll an, und kriegt nichts heraus. Der belastende Alltag am finanziellen Limit bringt keine "Belohnungen" wie besseres Einkommen, Anerkennung, Unterstützung oder sozialen Aufstieg. Dieser schlechte Stress wirkt besonders bei Menschen in unteren Rängen, die arm trotz Erwerbsarbeit sind, die in den Randbelegschaften und in prekären Billigjobs arbeiten.
Wer sozial Benachteiligte zu Sündenböcken erklärt, wer Leute am Sozialamt bloß stellt, wer Zwangsinstrumente gegen Arbeitssuchende einsetzt, wer mit erobernder Fürsorge Hilfesuchende entmündigt, der vergiftet diese "Lebensmittel". Peter muss viel zu oft Situationen der Einsamkeit, der Ohnmacht und der Beschämung erleben. Wer aus der Armut helfen will, muss Menschen stärken. Mit den drei Lebensmitteln, die man nicht essen kann: Mit Freundschaften, Selbstwirksamkeit und Anerkennung.
Service
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Buch, Martin Schenk, Michaela Moser, Es reicht! Für alle! Wege aus der Armut, Deuticke Verlag
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