Gedanken für den Tag

"Göttliches Spiel auf dem heiligen Rasen - Fußball" von Manuel Rubey

Manuel Rubey ist Schauspieler, Musiker und Fußballfan.

In einer immer komplexer werdenden Welt ist die Sehnsucht nach Halt, nach klaren Spielregeln, nach Messias-Gestalten groß. Fußballfans suchen und finden dies oft auch im "göttlichen Spiel am heiligen Rasen". Schließlich prägen nicht zuletzt archaische und religiöse Strukturen den Fußballsport: Vom Pilgern ins Stadion bis zum "Fußballwunder".

Wenn ich nicht einschlafen kann, gibt es bei mir nur eine Methode, die wirklich hilft. (Das alte Wundermittel Schäfchenzählen halte ich für überschätzt.) Ich brauche ein spannendes Ereignis, das Leidenschaft mit Kampf, Tanz, Gemeinschaft und Einsamkeit kombiniert.

Ich stelle mir also vor, ich bin Profifußballer beim FC Barcelona. Ich bilde mit Zlatan Ibrahimovic und dem genialen Lionel Messi, ein magisches Dreieck in der Offensivabteilung der Katalanen. Das Nou Camp, dieser Tempel von Stadion, bis zum letzten Platz gefüllt. Ich bin stolz, bei diesem Club gelandet zu sein: Er gehört seinen tausenden Mitgliedern und ist überhaupt das klassische Gegenstück zu den Entwürfen zu reicher Männer, die sich einfach einen Fußballclub kaufen und diesen in weiterer Folge monarchistisch führen. Seit einigen Jahren prangt das Logo von Unicef unentgeltlich auf den Dressen. Ich freue mich, dass ich der österreichischen Liga entwachsen bin, wo ich sogar auf dem Hintern für irgendeinen Eigenbauaustatter Werbung machen musste.

Halbfinale der Championsleague gegen den AC Milan. Der Club von Silvio Berlusconi stellt natürlich ein herrliches Feindbild dar. Nicht nur politisch, auch der berühmt berüchtigte Catennacio steht im klassischen Widerspruch zur Offensivästhetik der Katalanen. Für die nächsten 90 Minuten gibt es kein Gestern und kein Morgen. Es herrschen klare Verhältnisse, Freund, "Feind", gut und "böse". In der 75. Minute spielt mich Messi frei und ich schiebe das Leder an Milans Goalie Dida zum befreienden eins zu null ein. Nun ist der Bann gebrochen. In den letzten 15 Minuten schießen wir noch drei Tore. Das letzte des genialen Messi, bekomme ich gar nicht mehr mit, weil mich endlich der Schlaf erreicht hat.

So widersprüchlich es auch erscheinen mag, Fußball übt auf mich eine beruhigende, ja kathartische Wirkung aus. So sehr ich mich über eine Schiedsrichterentscheidung aufregen kann, so sehr mein Puls ansteigt, wenn es in die entscheidende Phase eines wichtigen Spiels geht, so sehr gibt König Fußball meinem Leben Halt und Ordnung. All das Chaotische, Widersprüchliche, das unser Alltag zu bieten hat, macht für 90 Minuten Pause. Ein Tag erscheint mir sinnvoller, ich kann mich leichter für Dinge motivieren, wenn es gilt, sich auf ein Spiel am Abend zu freuen. Eine Weltmeisterschaft mit täglichen Spielen auf höchstem Niveau stellt daher naturgemäß einen Wonnemonat in meinem Leben dar. Ich freue mich auf Südafrika und die tägliche Unterbrechung im Alltag.

Service

Manuel Rubey

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