Dimensionen - Die Welt der Wissenschaft
Mehrsprachigkeit. Was macht die Sprachenvielfalt im Hirn aus? Gestaltung: Birgit Dalheimer
17. Juni 2010, 19:06
Emil Krebs arbeitete Anfang des 20. Jahrhunderts als Dolmetscher in Peking. Der gebürtige Deutsche beherrschte im Lauf seines Lebens über 60 Sprachen in Wort und Schrift, rund 60 weitere konnte er lesen. Nach wie vor gilt er als außergewöhnliches Sprachgenie und dient als eindrückliches Beispiel, wenn es um die Frage geht, wie viele Sprachen in ein Hirn passen.
Was sind die Voraussetzungen dafür, mehrere Sprachen zu meistern - und welche Auswirkungen hat das auf das Gehirn? Die meisten Kinder in Europa und den USA hören und lernen in den ersten Lebensjahren nur eine Sprache. Global betrachtet ist der hier so normale Monolingualismus aber ein Minderheitenprogramm. Der größere Teil der Weltbevölkerung wächst mit zwei oder mehr Sprachen auf.
Hat die Mehrsprachigkeit von Kindesbeinen an Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten? Lernen oder verstehen Kinder später auch in anderen Bereichen leichter, oder langsamer, oder einfach nur anders als einsprachig aufgewachsene Kinder? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Neuro- und Psycholinguisten.
Emil Krebs starb 1930 in Berlin, sein Gehirn wurde präpariert und aufbewahrt. Als es vor einigen Jahren mikroskopisch untersucht wurde, zeigten sich in den sprachrelevanten Regionen deutliche Unterschiede zu weniger polyglotten Menschen. Ob diese Unterschiede aber die Ursache für sein Sprachtalent waren - oder ob sie als Folge der jahrzehntelangen Beschäftigung mit verschiedensten Sprachen dieser Welt entstanden sind, bleibt Gegenstand wissenschaftlicher Spekulationen.
