Gedanken für den Tag

"Christlich-jüdische Begegnungen im Garten der Religionen" von Markus Himmelbauer

Markus Himmelbauer ist Theologe in Wien.

Seit vier Jahren gibt es den "Garten der Religionen" im Waldviertler Benediktinerstift Altenburg. Heuer ist er dem Verhältnis von Christentum und Judentum gewidmet. Die Jahresausstellung "Aufbruch - Zueinander. Christen und Juden. Wandlung einer Beziehung" wurde in Kooperation mit dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit erstellt.

Ich habe Sie diese Woche ins Waldviertel eingeladen. Man sagt, dass dort die Granitblöcke, die dichten Wälder, dunkle Wasser und Nebelschwaden über der kargen Landschaft helfen, zu sich selbst zu finden.

Auch die Ausstellung "Aufbruch Zueinander. Christen und Juden - Wandlung einer Beziehung" im Garten der Religionen im Stift Altenburg entspricht dieser Erwartung. Christinnen und Christen sollen dort eine Dimension des eigenen Glaubens aufspüren. Mit den Worten von Papst Johannes Paul II.: "Die jüdische Religion ist für uns nicht etwas 'Äußerliches', sondern gehört in gewisser Weise zum 'Inneren' unserer Religion."

Wer das Jüdische im Christentum entdeckt, schöpft aus den reichen Traditionen des Ersten Testaments. Jeder Predigttext, jede Glaubensunterweisung redet von Juden, predigt über Israel. Es war zuerst das Volk Israel, das dem Anruf Gottes geantwortet und sich verpflichtet hat, seine Gebote zu tun. Christinnen und Christen haben keinen beliebigen, sondern diesen bestimmten Wurzelgrund. Die Worte "Gott, Geist, Reich Gottes, loben, beten, Weisheit, Gerechtigkeit und Frieden" oder "Messias" sind konkret biblisch-jüdisch gefüllt.

Und vor allem: Wer Jesus begegnet, begegnet dem Judentum. Jesus Christus lehrt die Tora, sein Weg und Leben sind gelebte Tora inmitten seines Volkes, des jüdischen Volkes. Außerhalb der Tora ist Jesus nicht nur unbegreiflich, sondern unbekannt.

Die Wertschätzung des Judentums ist etwas Neues in den Kirchen. Eine reumütige und demütige Begegnung ist angesagt nach all dem Leid und der Vernichtung, die Christen und die Kirchen über jüdische Menschen gebracht haben. Ich bin dankbar für jene Partnerinnen und Partner aus den jüdischen Gemeinden, die auf diesen Aufbruch antworten. Sie vertrauen darauf, dass diese neue Beziehung, die die Kirchen suchen, wirklich ehrlich gemeint, grundlegend und dauerhaft ist.

Service

Stift Altenburg

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