Radiokolleg - Darf's noch was sein?
Jobprofil Kellner/in (3). Gestaltung: Judith Brandner
21. Juli 2010, 09:30
"Fräulein, bitte zahlen" ist definitiv out. Noch immer wurde keine politische korrekte Anrede für das weibliche Servierpersonal in Österreichs Gastronomiebetrieben gefunden. Die Schweizer Serviertochter ist da wohl auch kein Vorbild. Einfacher ist das beim "Herrn Ober", mit dem im Allgemeinen die legendäre und vielfach in Literatur und Film verewigte Figur des Wiener Kaffeehauskellners verbunden wird: eine zugleich servile, jedoch starke Persönlichkeit, die dem Gast jeden Wunsch von den Augen abliest, und sich auch mal weigert, auf inakzeptable Bestellungen zu reagieren.
Dieses Bild des Kellners geht auf das 19. und frühe 20. Jahrhundert zurück. Mit zunehmendem Tourismus hat sich das einst stark hierarchisierte und normierte Berufsbild des Kellners verändert. Das Image ist heute oft schlecht; schlecht sind auch Arbeitsbedingungen und Bezahlung. Weshalb in vielen Tourismusregionen Personal aus (billigeren) Drittländern angeheuert wird. Und was steckt hinter der Konvention des Trinkgeldgebens, jener kurzen Tauschbeziehung zwischen Gast und Kellner, eingesetzt als Belohnung oder aber Sanktion? Eine historisch-ethnologische, sozio-kulturelle und länderübergreifende Betrachtung mit Augenzwinkern.
Gestaltung: Judith Brandner
