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Die Lienzer Kosaken. Eine Tragödie am Ende des Krieges. Von Henry Bernhard

Die österreichische Stadt Lienz in Osttirol wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges Schauplatz einer Tragödie. Auf der Flucht vor den vorrückenden sowjetischen Einheiten hatten sich im Mai 1945 zahlreiche ukrainische Kosakenverbände, die an der Seite der Wehrmacht italienische und jugoslawische Partisanen bekämpft hatten, im Talkessel der Drau nahe der Kleinstadt Lienz gesammelt. Seit 1942 waren sie zusammen mit ihren Familien auf der Flucht, weil sie mit dem Feind, der deutschen Wehrmacht kollaboriert hatten.

Anfang Mai 1945 zog der Kosaken-Tross mit mehr als 25.000 Menschen, die Hälfte davon Frauen, Kinder und Alte, von Italien aus in Richtung Norden. Ihr Ziel war die britische Besatzungszone. Dort könnten sie sich sicher fühlen vor Stalins-Soldaten und den Tito-Partisanen, das hatten die Briten zugesagt. Doch es kam anders. Entgegen dem gegebenen Versprechen deportierten britische Soldaten die Kosaken im Juni 1945. Gewaltsam prügelten sie Offiziere, Soldaten, Alte, Frauen und Kinder auf Eisenbahnwaggons und LKW und übergaben sie an die Rote Armee.

Furchtbare Szenen spielten sich in diesem Zeitraum an der Drau ab. Männer erschossen ihre Frauen und Kinder und dann sich selbst. Verzweifelte Mütter drückten wildfremden österreichischen Frauen ihre Kinder in die Hand. Manche Kosaken sprangen in den eiskalten Fluss - alles, um dem Tod vor einem sowjetischen Erschießungskommando oder im GULAG zu entgehen.

Autor Henry Bernhard hat Lienz besucht und sich auf Spurensuche nach den Kosaken von einst begeben. Bei seinen Recherchen traf er einen Mann und eine Frau, die wie durch ein Wunder den Wahnsinn am Ende des Krieges überlebt haben (Koproduktion MDR/ORF).

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