Gedanken für den Tag

Gedanken für den Tag

Von Eric Frey. "Ritus und Ratio". Gestaltung: Alexandra Mantler-Felnhofer

Wenn in jüdischen Gebeten von Ewigkeit die Rede ist, dann heißt es "le dor wa dor", von einer Generation zur nächsten. Diese Weitergabe von Lebens- und Glaubensinhalten über Generationen hinweg ist der wahre Kern des Judentums. "Diese Worte, die ich dir heute befehle, schärfe sie deinen Kindern ein", heißt es im Sch'ma Israel, dem wohl wichtigsten jüdischen Gebet, das mehrfach in der Tora, den fünf Büchern Moses, vorkommt. Und seit mehr als 2000 Jahren haben Eltern dieses Gebot befolgt und ihre Religion, ihre Identität und ihr Volk gegen alle Widrigkeiten der Geschichte am Leben erhalten - trotz Verfolgung, Vertreibung und den Verlockungen der völligen Assimilation. Lernen und Lehren war stets die wichtigste Überlebensstrategie.

Nicht jedes Gebot der Tora wird heute von allen gehalten. Für die meisten Jüdinnen und Juden in Österreich, in Europa aber auch in den USA und Israel, ist die Tradition wichtiger als der Glaube. Viele sind, so wie ich, liberal und säkular. Aber ich will Teil von dem sein, was meine Eltern und Großeltern und Urgroßeltern schon getan und gelebt haben - und will dies an meine Kinder weitergeben. Denn dann weiß ich, wer ich bin, und dann wachsen auch meine Kinder mit einer festen Identität auf. Die Tora wird in wenigen Tagen im Fest von Simcha Tora zu Ende gelesen und dann sogleich neu begonnen. Ob ihre Worte nun historisch, wissenschaftlich oder ethisch wirklich stimmen, ist mir dabei nicht so wichtig.

Wichtig ist, die Fackel dieser Überlieferung nicht fallen zu lassen, sondern weiter zu geben - als unzerstörbare Bibliothek des Lebens.

Service

Kostenfreie Podcasts:
Gedanken für den Tag - XML
Gedanken für den Tag - iTunes

Sendereihe