Radiokolleg - Unerlaubte Zonen

Tabus als Grundlage einer moralischen Ordnung
(1). Gestaltung: Peter Zimmermann

Tabu: Das ist einer dieser Begriffe, die ständig in Gebrauch sind und die in der täglichen Kommunikation jene Felder markieren, die man selbst oder ein anderer nicht betreten soll. Es gibt natürlich die persönlichen Tabuzonen, die Ausdruck von Scham oder Ekel sind, die allerdings oft nichts mit jenem gesellschaftlich praktizierten Regelwerk zu tun haben, das nirgendwo festgeschrieben und dennoch von großer Wirkkraft ist und mitunter auch zum Gesetz werden kann. Das betrifft etwa sexuelle Praktiken. Gesellschaftliche Ordnungen basieren stark auf Sexualtabus (Inzest, Minderjährigkeit, lange Zeit Ehebruch und Homosexualität), die allerdings nicht alle im gleichen Maße sanktioniert werden. In anderen Bereichen geht es weniger um die Regelung des Zusammenlebens, als vielmehr um Ausschließungsprozesse (Tod) oder um die Veränderung eines gesellschaftlichen Bewusstseins (sprachliche Tabus). Doch wie festgefügt oder haltbar sind Tabus tatsächlich? Handelt es sich um anthropologische Konstanten oder nicht doch eher um zeitabhängige Reglementierungen? Braucht es, um die moralische Ordnung aufrecht zu erhalten, eine Definition unerlaubter Zonen?


Service

Mary Douglas: "Ritual, Tabu und Körpersymbolik", S. Fischer Verlag
Sigmund Freud: "Totem und Tabu", S. Fischer Verlag
Ursula Pia Jauch (Hg.): "Sade. Stationen einer Rezeption", Suhrkamp Verlag
Saskia Jungnikl: "Papa hat sich erschossen", S. Fischer Verlag
Gerhard Kubik: "Tabu: Erkundungen transkultureller Psychoanalyse in Afrika, Europa und anderen Kulturgebieten", LIT Verlag
Erika Nussberger: "Zwischen Tabu und Skandal. Hermaphroditen von der Antike bis heute", Böhlau Verlag
Rotraud A. Perner: "Darüber spricht man nicht: Tabus in der Familie - Das Schweigen durchbrechen", Kösel Verlag
Volker Reinhardt: "De Sade oder Die Vermessung des Bösen", C.H. Beck Verlag
Roger Shattuck: "Tabu. Eine Kulturgeschichte des verbotenen Wissens" (Übersetzung: Harald Stadler), Piper Verlag
Almuth Spiegler: "Lust und Tabu. Über Sex und Kunst", Metroverlag
Stadt Braunschweig (Hg.): "TABU. Über den gesellschaftlichen Umgang mit Scham: Über den gesellschaftlichen Umgang mit Ekel und Scham", Kadmos Verlag

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