Da capo: Ambiente

Da capo: Ambiente

Ambiente Spezial. Vom Zempléner Bergland in die Puszta - unterwegs im Nordosten Ungarns.
Von Ursula Burkert

20. August 2015 - der wichtigste Feiertag des Landes. Ungarn feiert sich und den Blumen-Karneval von Debrecen. Am Vormittag ist der große Blumenwagen-Korso zwar völlig verregnet, am Abend jedoch geht die etwas bombastische Gala-Veranstaltung im neuen Nagyerdei Stadion reibungslos über die Bühne. Tausende Besucher füllen das Stadion und wohnen dem aufwändigen Spektakel bei. Ursula Burkert reiste letzten Sommer in den Nord-Osten Ungarns, der für Reisende aus Österreich bislang eine terra incognita darstellte. Sie besuchte das Weinbaugebiet Tokaij, den Nationalpark Hortobágy und Debrecen zur Blumen-Karnevalszeit. Gerade zu dieser Zeit begann die große Flucht nach Europa.

Debrecener Blumen-Karneval und Flüchtlingskrise
Während man in Debrecen der Entstehung der ungarischen Nation mit Musical-Ausschnitten aus dem Leben des Heiligen Stefan gedachte und sich dann mit dem Einmarsch der internationalen Volkstanzgruppen und einem Auftritt des schwedisch-nigerianischen Rappers Dr. Alban recht weltoffen gab, begann im Süden des Landes an der Grenze zu Serbien die Arbeit an jenem Stacheldraht-Zaun, der den Flüchtlingen Einhalt gebieten soll. Inzwischen - zwei Monate später - ist auch die Grenze zum EU-Nachbarland Kroatien dicht. Meinungsumfragen zufolge befürwortet die Mehrheit der Ungarn diese Entscheidung, allerdings in der ausländischen Presse wird diese äußerst kritisch kommentiert. Die Bilder der bei jedem Wetter zu Fuß entlang der Bahnstrecken nach Nordwesten marschierenden Asylsuchenden sind allen präsent. Und das in einem Land, aus welchem vor 60 Jahren selbst 200.000 Menschen flüchten mussten und das sich seit jeher und ganz besonders seit dem Fall des Eiserenen Vorhanges als Tourismusdestination profilieren möchte. Denn eigentlich war Ungarn für seine Gastfreundlichkeit stets bekannt, die Asyl- und Sozialpolitik der Regierung Orban jedoch wird im Ausland kritisiert. An diesem Umstand kommt man zurzeit bei Reisen in Ungarn nicht vorbei.

Die Weinregion Tokaj
Die Erde erloschener Vulkankegel und das sonnenreiche Klima sind ideal für den Weinbau, der am Südhang der Zempléner Berge rund um die Stadt Tokaij seit dem 13. Jahrhundert betrieben wird. König Béla IV. soll hier Weinbauern aus der Toskana, die ihre Reben mitbrachten, angesiedelt haben. Als "Blut der Erde" und als "König der Weine und Wein der Könige", wie ihn Ludwig XIV., der Sonnenkönig bezeichnete, wurde der Tokajer und im Speziellen der Aszú berühmt.

Nationalpark Hortobágy
"Wie viel länger als anderswo ist der Weg, den die Sonne hier zurücklegt" so beschrieb der ungarische Dichter Sándor Petöfi die Púszta, Das Gebiet ist äußerst dünn besiedelt und von großer ökologischer Bedeutung. Im Jahr 1973 wurde der Nationalpark Hortobágy als erster seiner Art eröffnet. 1999 wurde der Park als UNESCO Weltnaturerbe deklariert und im Jahr 2011 als Lichtschutzgebiet von der International Dark Sky Association anerkannt.

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Informationen Ambiente 25.10.2015

Ungarisches Tourismusamt
Opernring1/R/707
1010 Wien
http://www.ungarn-tourismus.at

Blumenkarneval
http://www.debreceniviragkarneval.hu

Tokaj
http://www.tokajwinetrade.com

Hortobagy Nationalpark
http://www.hnp.hu


Buchtipps:

Thomas Bauer: Wo die Puszta den Himmel berührt. Auf Umwegen durch Ungarn.
Verlag Herbig
György Dalos: Ungarn in der Nußschale: Ein Jahrtausend und zwanzig Jahre. Geschichte meines Landes. Beck'sche Reihe
Mirko Kaupat: Reise Know-How Ungarn: Reiseführer für individuelles Entdecken.
Reise Know-How Verlag Peter Rump GmbH

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