Radiokolleg

Radiokolleg - Terrorismus im Visier

Ursachen, Wirkung und Gegenstrategien
(1). Gestaltung: Judith Brandner

Terroranschläge sind längst in Europa angekommen. Terroristische Aktionen, bei denen Unschuldige und Unbeteiligte wahllos getötet werden, lassen uns mit Angst, Abscheu und Entsetzen zurück. Genau das will Terrorismus: durch Gewaltaktionen gegen eine politische Ordnung große Aufmerksamkeit erlangen, Unsicherheit und Schrecken verbreiten, das System destabilisieren oder auch Sympathie erzeugen. Terrorismus ist auch als Kommunikationsstrategie zu verstehen - Terroristen streben nach Anerkennung, wollen das Denken besetzen und dadurch Veränderung erreichen. Und sind dabei - wie z.B. der IS - in der Wahl ihrer propagandistischen Mittel höchst "modern": Ihre Ideologie verbreiten sie perfekt inszeniert über die sozialen Medien, auf YouTube und in eigenen Medien.

Um die Ursachen des Terrorismus bekämpfen und Bedrohungen realistischer einschätzen zu können, sollte man versuchen, die Wurzeln für Terrorismus zu verstehen, meint der Ethnologie Günther Schlee vom Max Planck Institut, wo ein großes Terrorismus-Forschungsprojekt läuft. Eine wichtige Ursache für Gewalt ist Exklusion - wenn Länder und Regionen nicht an globalen Handels- und Wirtschaftsströmen teilhaben können, oder ganze Bevölkerungsgruppen von Ressourcen und der Chance auf ein gutes Leben ausgeschlossen sind. Exklusion, soziale Frustration und Perspektivenlosigkeit sieht auch der französische Sozialwissenschaftler Gilles Kepel als einen wichtigen Grund für die Verführbarkeit junger Menschen, sich dem jihadistischen Kampf anzuschließen, der die europäische Gesellschaft zerstören und ein Kalifat errichten will. Terrorismusforscherin Loretta Napoleoni ortet einen Grund, weshalb sich junge Menschen einer Organisation wie dem IS anschließen, in der Ideologie-Leere westlicher Gesellschaften, wo sich die ganze Existenz nur um materialistische Dinge drehe.

Über Parallelen zwischen heutigen Terror-Organisationen und früheren, wie etwa der RAF oder den Rote Brigaden gibt es unterschiedliche Meinungen. Von Widerstands- oder Guerrillabewegungen unterscheidet sich Terrorismus vor allem in der Wahl seiner Ziele.

Service

Loretta Napoleoni, Die Rückkehr des Kalifats, Rotpunktverlag Zürich 2015
Loretta Napoleoni, Menschenhändler - Die Schattenwirtschaft des islamistischen Terrorismus
Rotpunktverlag, September 2016
Gilles Kepel, Terror in Frankreich, der neue Dschihad in Europa, Kunstmann 2016
Christoph Reuter, Die Schwarze Macht - der Islamische Staat und die Strategen des Terrors, Spiegel 2015
Dominic Musa Schmitz, Ich war ein Salafist. Meine Zeit in der islamistischen Parallelwelt, ECON, Berlin 2016
Gudrun Harrer, Ein Appell von Shirin Ebadi an die Welt: das hat der Prophet nicht gemeint, Benevento 2016
Gudrun Harrer, Nahöstlicher Irrgarten. Analysen abseits des Mainstreams. K&S 2014
Die Zeit - Geschichte: Heilige Kriege 2/2016

DERAD
Beratungsstelle Extremismus
Telefon: 0800 20 20 44
E.Mail: office@beratungsstelleextremismus.at
Frauen ohne Grenzen
Mütterschulen gegen Extremismus
Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen
Max Planck Institut für Ethnologische Forschung
Kampfsportcenter Tosan in Wien
Töchter des Jihad/Theaterstück von Barbara Herzog
Kosmos Theater
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4.10. Posthof Linz: Last Minute Festival für aktuelles Theater
10.-30. Oktober: 12 Vorstellungen am Theater Reutlingen

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