Haben oder Nichthaben

Ungleichheit und ihre Folgen (4). Gestaltung: Tanja Malle

Wer Zugang zu Bildung, Gesundheit, Sicherheit und Wohlstand bekommt, hängt stark von dessen Geburtsort und Elternhaus ab, so die Berechnungen von Branko Milanovic. Er ist einer der führenden Ungleichheitsforscher der Welt und untersucht, wie sich die globale Einkommensungleichheit in den vergangenen 30 Jahren entwickelt hat, wer die großen Nutznießer der Globalisierung waren und wer verloren hat.

Die beiden Gewinner, das sind die asiatische Mittelschicht und das reichste Prozent der Weltbevölkerung. Letztere Gruppe auch deshalb, weil sie Zugang zu den Finanzmärkten hat. Die Verlierer, das sind die Arbeiterklasse bzw. die untere Mittelschicht der westlichen Industrienationen.
Laut UNO hat die Zahl jener Menschen, die in extremer Armut leben müssen, also weniger als einen Dollar pro Tag zur Verfügung haben, ein Rekordtief erreicht:

Erstmals leben weniger als zehn Prozent der Weltbevölkerung in extremer Armut. Was heißt: Armut hat weltweit zwar abgenommen, dennoch wurde aber gleichzeitig die Kluft zwischen Armen und Reichen größer.
Die Forschung ist sich zusehends darin einig, dass es weniger soziale Ausgleichszahlungen sind, die die Ungleichheit bekämpfen helfen, sondern dass es vor allem die Ausgangssituation von Menschen zu verbessern gilt - besonders, was den Zugang zu hochwertigen Bildungsangeboten und die damit verbundene Chance auf soziale Mobilität betrifft.

Aber nicht nur Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit stehen zunehmend im Fokus von Ungleichheitsforscher/innen, sondern auch Kohortenvergleiche, die darauf hinweisen, dass es die junge Generation in den westlichen Industrienationen heute schwerer hat als einst ihre Eltern.

Das Radiokolleg fragt nach den Gründen für (Un)Gleichheit, danach, wie viel (Un)Gleichheit die Welt verträgt oder sogar braucht und danach, wie Wissenschaft, technologischer Wandel und Politik (Un)Gleichheit befördern können. Denn Ungleichheit schafft nicht nur individuelle Probleme, beispielsweise gesundheitlicher Art, sondern wirkt sich auf die gesamte Gesellschaft aus und bestimmt so maßgeblich die politischen Auseinandersetzungen, die geführt werden.

Service

Literatur

Wilfried Altzinger, Stefan Humer und Mathias Moser: "Entwicklung und Verteilung der Einkommen" (Sozialbericht 2015/16) (pdf)

Wilfried Atzinger, Jesus Crespo Cuaresma, Bernhard Rumplmaier, Petra Sauer, Alyssa Schneebaum: "Education and Social Mobility in Europe: Levelling the Playing Field for Europe's Children and Fuelling its Economy." (pdf)

Anthony Atkinson: "Ungleichheit: Was wir dagegen tun können." Klett-Cotta Verlag

BEIGEWUM, Attac, Armutskonferenz (Hrsg.): "Mythen des Reichtums. Warum Ungleichheit unsere Gesellschaft gefährdet." VSA Verlag

Stefan Humer, Mathias Moser: "Integrierte Steuer- und Abgabenstatistik der privaten Haushalte in Österreich" WU Wien (pdf)

Käthe Knittler, Bettina Haidinger: "Feministische Ökonomie. Eine Einführung." Mandelbaum Verlag

Katharina Mader: "Gender Budgeting in der österreichischen Bundesverfassung. Fortschritt oder Falle?. WSI Mitteilungen 01 (2015)

Branko Milanovi?: "Haben und Nichthaben. Eine kurze Geschichte der Ungleichheit.", Konrad Theiss Verlag

Branko Milanovi?: "Die un/gleiche Welt. Migration, das eine Prozent und die Zukunft der Mittelschicht.", Suhrkamp Verlag

Alyssa Schneebaum, Miriam Rehm, Katharina Mader, Katarina Hollan: "The Gender Wealth Gap Across European Countries. Review of Income and Wealth"

Walter Scheidel: "The Great Leveler: Violence and the History of Inequality from the Stone Age to the Twenty-First Century", Princeton University Press

Martin Schürtz, Pirmin Fessler: "Private Wealth Across European Countries: The Role of Income, Inheritance and the Welfare State. ECB Working Paper Series." (pdf)

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