Leonard Bernstein

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Reinhard Scolik über Leonard Bernstein

"Das Höchste und das Weiteste" - Zum 100. Geburtstag von Leonard Bernstein macht sich Reinhard Scolik, Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks, Gedanken zu und von dem Menschen und Musiker. - Gestaltung: Alexandra Mantler

Früher oder später müssen wir damit umgehen lernen, dass hinter uns niemand mehr ist, kein Vater, keine Mutter, kein geliebter Mensch, dass wir einmal das letzte Stück allein gehen müssen. Wem das gelingt, der ist für mich "erwachsen".

Bernstein empfand es als "faszinierende Zweideutigkeit, dass das Zeichen unserer Reife das Akzeptieren unserer Sterblichkeit ist und dass wir dennoch in unserer Suche nach Unsterblichkeit fortfahren. Wir mögen glauben, dass alles vergänglich ist, sogar, dass alles vorüber ist: Dennoch glauben wir an eine Zukunft. Wir glauben.Wir müssen an diese Art von schöpferischer Kraft glauben. Wenigstens muss ich es."

Und weiter: "Das Werk, das ich mein ganzes Leben lang immer geschrieben habe, handelt von einer Krise des Glaubens. Schon vor langer Zeit, als ich die erste Sinfonie "Jeremiah" schrieb, habe ich mit diesem Problem gerungen. Der Glaube oder der Friede, der am Schluss von "Jeremiah" gefunden wird, ist in Wirklichkeit eine Art Trost, aber keine Lösung. Trost ist eine Möglichkeit Frieden zu erlangen."

Am 9.Oktober 1990, nachdem er erklärt hatte, nie mehr aufzutreten, fügte er verzweifelt hinzu: "Sehen Sie, ich habe Gott verloren, und ich fürchte mich vor dem Sterben . wenn man aufhört, das Leben zu lieben, wenn die Last des Todes alles bestimmt, ach, was soll es dann noch, alles ist so sinnlos. Liebe ruft Tränen hervor, aber ich kann nicht weinen."

Am Tag vor seinem Tod las ihm ein Freund auf seine Bitte die Verse vor, die der persische Mystiker Dschalaledin Rumi auf seinem Sterbebett geschrieben hatte:

"Heute Nacht sah ich im Traum einen alten Mann in meinem Garten.
Es war alles Liebe.
Er streckte die Hand aus und sagte: Komm zu mir."

Am 14. Oktober 1990 ist Leonard Bernstein gestorben.

Service

Leonard Bernstein, "Worte wie Musik", Verlag Herder
Jonathan Cott, "Leonard Bernstein. Kein Tag ohne Musik", Verlag btb
Peter Gradenwitz, "Leonard Bernstein. Eine Biografie", Atlantis Musikbuch

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Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Leonard Bernstein
Album: ISAAC STERN KOLLEKTION VOL.2 / Konzerteinspielungen von 1946-1958
* V. Socrates, Alcibiades (00:10:33)
Titel: Serenade nach Platos "Symposium" für Violine, Streicher, Harfe u.Schlagwerk
Solist/Solistin: Isaac Stern /Violine
Orchester: Symphony of the Air
Leitung: Leonard Bernstein
Länge: 02:00 min
Label: Sony SM3K 45956

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