Schildkröte in der Wüste Nevada

AP/REED SAXON

Über unsere Heilserwartungen an das Silicon Valley

"Überfluss Wüste". Von Robert Woelfl. Mit Niklas Draeger, Patrick Mölleken, Nagmeh Alaei und Jonas Baeck. Regie: Jörg Schlüter (WDR 2019).

Sebastian und Finn, IT-Spezialisten aus Stuttgart, und Zoe und Josh aus San Francisco treffen in der Wüste Nevadas aufeinander - an einer Stelle mit dem Namen "Die Quellen der Unsterblichkeit". Angeblich wird jeder, der dort hinkommt, mit einer phantastischen Idee belohnt. Alle großen Computerpioniere und Internetunternehmer sollen schon da gewesen sein. Während Finn und Sebastian die deutsche Autoindustrie retten wollen, testen Zoe und Josh ihre selbstgeschriebenen Programme - das eine sagt den Zeitpunkt des Weltuntergangs voraus, das andere, ob man Gefühle füreinander hegt. Und so wartet man mehr gegen- als miteinander darauf, dass etwas Besonderes geschieht ...

Robert Woelfl: "Die Messias-Ersatzfiguren aus dem Silicon Valley werden die Welt nicht retten. Vielleicht hatten sie das einmal vor, aber es scheint ihnen etwas dazwischen gekommen zu sein. Wir sollten unsere Heilserwartungen an sie nehmen, in die Wüste fahren und diese Heilserwartungen dort in einem Loch vergraben. Lieber allein und desillusioniert durch die Wüste laufen, als noch länger an die große Lüge von der Demokratisierung durch das Netz zu glauben. Das Werkzeug, das die Macht hätte bloßstellen sollen, ist längst zu einem Instrument der Macht geworden. Unternehmer sind keine Politiker und keine Revolutionäre, sie wollen bloß ihre Äpfel und Birnen verkaufen."

Robert Woelfl wurde 1965 in Villach geboren und lebt als freier Schriftsteller in Wien. Für seine Theaterstücke, die im S. Fischer Verlag erscheinen, erhielt er mehrere Preise, darunter den Reinhold-Lenz-Preis für neue Dramatik, den Autorenpreis der deutschsprachigen Theaterverlage und den Dramatikerpreis des Stadttheaters Klagenfurt.

Service

Aus rechtlichen Gründen kann diese Sendung nicht zum Download angeboten werden.

Sendereihe

Übersicht