Verschiedene Schallplatten im Regal

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Radiokolleg

Radiokolleg - Musikkritik kritisch betrachtet

Ihr Nutzen und ihre Macht (1). Gestaltung: Andreas Maurer.

Leidenschaft und Liebe sind Voraussetzungen für den Job, geliebt werden sie aber selten. Oft erzeugen sie bei Künstler/innen, Agent/innen oder Streamingdiensten eher Ärger. Denn während Musikkritiker/innen den einen in den Himmel loben, werden andere mit wenigen Worten auf den Boden geholt. Doch wozu eigentlich? Für die Leserquote einer Zeitung wäre ein Klatschbericht über einen Hollywoodstar gewinnbringender. Zudem kann heute jeder mit einem Internetzugang selbst zum Kritiker und Influencer werden, ohne Zeilenbeschränkung und Zensur des Chefredakteurs. Selbst Downloadstatistiken verraten der Masse oft mehr über Können und Nicht-Können eines Künstlers bzw. einer Künstlerin als die Meinung eines einzelnen Kritikers.

Dabei war das ursprüngliche Ziel der Musikkritik dem Bürgertum der Aufklärung objektive Maßstäbe zur Beurteilung der ständig neuen Musikwerke zu schaffen. Der Kritiker hatte festzustellen, ob Form und vorherrschende kompositorische Rahmenbedingungen erfüllt wurden oder nicht.

Und heute? Spätestens seit der Moderne hat sich die Musikwelt weit von allgemein gültigen Normen entfernt; viele Werke, egal ob Pop oder Klassik, stehen singulär für sich und entziehen sich jeglichem Vergleich und damit einer objektiven Beurteilung. Dem Beruf des Musikkritikers droht damit nicht nur der Machtverlust, sondern das Aussterben.
Doch was muss eine gute Kritik heute überhaupt "können"? Wer ist ihr Publikum?
Andreas Maurer über die Musikkritik im Wandel der Zeit, ihre Sprache und ihren Nutzen damals, heute und morgen.

Service

LITERATUR:

Christof Hans Karl Baumgartner: Musikkritikerinnen und Musikkritiker in den Wiener Tageszeitungen. Diplomarbeit, Universität Wien. (2009)

Klaus Geitel: Zum Staunen geboren: Stationen eines Musikkritikers (Henschel Verlag, 2005)

Nicola Gess: Gewalt der Musik: Literatur und Musikkritik um 1800 (Berliner Kulturwissenschaften). (Rombach Druck- und Verlagshaus; 2010)

Lutz Lesle: Notfall Musikkritik. (Breitkopf & Härtel; 1981)
Peter Daniel Wolfkind, Musikkritik - ihr Geist und ihre Physiognomie (1967)

Susan Holtfreter: Die Musikkritik im Wandel: eine soziologisch-textlinguistische Untersuchuntg. (Lang; 2013)

Werner Abegg: Musikästehtik und Musikkritik bei Eduard Hanslick. (Bosse; 1974)
Christiane Thim-Mabrey: Grenzen der Sprache - Möglichkeiten der Sprache. Untersuchungen zur Textsorte Musikkritik. (Lang, 2001)

Fabian Lovisa: Musikkritik im Nationalsozialismus: die Rolle deutschsprachiger Musikzeitschriften 1920-1945. (Laaber-Verlag, 1993)

Carolin Krahn: Topographie der Imaginationen: Johann Friedrich Rochlitz' musikalisches Italien um 1800. Wien: Hollitzer 2019, 360 S. (Wiener Veröffentlichungen zur Musikwissenschaft) (Druck i.V.)

Hansjörg Drauschke: Aus dem Geist der Rhetorik und Aufkla?rung. Musikkritik als Vorschein einer besseren Welt.

Gunter Reus/Ruth Müller-Lindenberg (Hg): Gespräche mit Journalisten über die Zukunft der Musikkritk. (Springer; 2017)

Joachim Kaiser: Glanz und Elend der Musikkritik. (Schweizer Monatshefte: Zeitschrift fu?r Politik, Wirtschaft, Kultur Nr 68, 1988)

Helmut Kirchmeyer: System- und Methodengeschichte der deutschen Musikkritik vom Ausgang des 18. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Beihefte zum Archiv fu?r Musikwissenschaft 78. (Franz Steiner Verlag, 2017)

Hanna Poppenwimmer: Entnazifizierung des Kulturjournalismus?!"
Eine kollektivbiografische Untersuchung der Kulturjournalisten des "Neuen Wiener Tagblatts" und des "Vo?lkischen Beobachters" mittels qualitativer Inhaltsanalyse. (Dissertation Uni Wien, 2016)

Hans Heinz Stuckenschmidt: Zur Problematik der Musikkritik (Franz Steiner Verlag, 1952)

Alexander Wilfing: Hanslicks Aesthetics. Die Rezeption Eduard Hanslicks im Englischen Sprachraum und ihre diskursiven Grundlagen. (Hollitzer Wissenschaftsverlag, 2019)


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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Wolfgang Amadeus Mozart/1756 - 1791
Gesamttitel: IDOMENEO, KV 366 / Oper in 3 Akten / Gesamtaufnahme / 1.Akt
Titel: 1. Ouvertüre
Leitung: Nikolaus Harnoncourt
Orchester: Mozart Orchester des Opernhauses Zürich
Länge: 05:08 min
Label: Teldec 835547 ZB (2 CD)

Komponist/Komponistin: Johannes Brahms/1833 - 1897
Titel: Sonate für Violine und Klavier Nr.3 in d-moll op.108
* Adagio - 2.Satz
Solist/Solistin: Lilya Zilberstein /Klavier
Solist/Solistin: Maxim Vengerov /Violine
Länge: 04:53 min
Label: EMI Classics 4768712 (3 CD)

Komponist/Komponistin: Wolfgang Amadeus Mozart/1756 - 1791
Gesamttitel: Salzburger Festspiele 2019/OPER Idomeneo (SFFRS190727-1_S)
Titel: Idomeneo, Re di Creta/KV 366/Dramma per musica in drei Akten (Gesamtaufnahme 1. und 2.Akt)
Textanfang: 24. Corriamo, fuggiamo / Nr. 18
Orchester: Freiburger Barockorchester
Leitung: Teodor Currentzis
Länge: 00:30 min
Label: Alkor Bärenreiter LM

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