Giorgio Bassani

AP/GIUSEPPE DI NOIA

Giorgo Bassanis Klassiker der Weltliteratur

Die Gärten der Finzi-Contini. Eine Spurensuche in Ferrara. Feature von Shenja von Mannstein

Er sei Schriftsteller und Historiker zugleich, betonte Giorgio Bassani häufig. Bassani stammte aus Ferrara, jener Stadt in der norditalienischen Po-Ebene, die einst Zentrum des italienischen Judentums war. In den 50er Jahren zog Bassani nach Rom. Seine Heimatstadt war ihm unter den Faschisten fremd geworden und doch widmete er ihr sein gesamtes literarisches Schaffen. Il Romanzo di Ferrara, Bassanis Lebenswerk, vereint seine wichtigsten Romane und Erzählungen. Darunter Il Giardino dei Finzi Contini - Die Gärten der Finzi-Contini. Es ist die Geschichte einer unerfüllten Liebe und zugleich eine Chronik des tragischen Schicksals des jüdischen Bürgertums in Ferrara.

"Kunst ist das Gegenteil von Leben, aber in gewisser Weise muss sie Nostalgie für das Leben empfinden", sagte Bassani einmal in einem Interview. Mit seinen Gärten der Finzi-Contini hat er der untergegangenen bürgerlichen Gesellschaft seiner Heimatstadt ein Denkmal gesetzt. Beinah akribisch scheint er auf die Einhaltung der genauen historischen Umstände versessen, ja hielt dies sogar für eine moralische Frage seines Schreibens. Heute kann man auf Bassanis Spuren durch Ferrara streifen, denn auch Gassen und Plätze sind in seinen Büchern detailgetreu beschrieben. Doch hat es Micól Finzi-Contini, das geheimnisvolle Mädchen aus vornehmer jüdischer Familie, in die der Ich-Erzähler vergeblich verliebt ist, jemals gegeben? Oder den legendären Garten am Ende des Prachtboulevards, des Corso Ercole d'Este?

Redaktion: Alfred Koch

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